„Falkenauge“ Schmaltz beweist alte Scharfsicht auf 64 Feldern

Schmaltz – Pfrommer: Die schwarze Gabel ist gut, der weiße Spieß ist besser…

Von Hartmut Metz
Mit Neid darf man auf die Landesmeisterschaften im Nachbarverband Baden blicken. Das Turnier in Sasbach zog einen Großmeister, drei Internationale Meister sowie viele weitere prominente Spieler an. Kein Vergleich zu den württembergischen Meisterschaften, die in drei Wochen in Botnang beginnen“, schreibt Harald Keilhack in seiner renommierten Schach-Kolumne in der „Stuttgarter Zeitung“. Die badischen Titelkämpfe waren nach einer Reform so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr besetzt, wenn nicht gar besser denn je. Nachdem im Vorjahr in Waldshut-Tiengen nur zehn Teilnehmer an die Bretter gegangen waren, startete der badische Turnierleiter Michael Schneider eine Umfrage unter der badischen Spitze, wie die Titelkämpfe wieder interessanter werden könnten. Der bundesligaerprobte Günther Beikert (SC Viernheim) gehörte zu jenen, deren „Vorschläge umgesetzt wurden. Deshalb sah ich mich auch in der Pflicht, nach langer Abstinenz teilzunehmen“.
Die wesentlichen Neuerungen: Verkürzung der Meisterschaft auf fünf Tage und sieben Runden. Noch wichtiger für viele: Das Turnier ist nicht mehr offen für ausländische Profis, die nur auf das Preisgeld aus sind und sich nicht für die deutschen Meisterschaften qualifizieren können. So durften sich Beikert, der Eppinger Christopher Noe und Roland Schmaltz gute Chancen auf 800 Euro aus dem mit 3000 Euro gefüllten Preistopf erhoffen.
Während der Bietigheimer Beikert und Noe mit 4,5:2,5 Punkten nur auf dem geteilten fünften Rang unter 29 Teilnehmern einkamen, setzte sich Schmaltz souverän durch. Der mehrfache Internet-Blitzweltmeister mit dem Kampfnamen „Hawkeye“ (Falkenauge) bewies einmal mehr Scharfsicht auf den 64 Feldern und siegte mit 5,5:1,5 Punkten. Einen halben Zähler zurück folgten Hartmut Metz (Rochade Kuppenheim), Amadeus Eisenbeiser (Buchen) und Hajo Vatter (Untergrombach).
Nach sieben Jahren in Australien kehrte der mit einer Neuseeländerin verheiratete Schmaltz zurück in die Heimat, lebt in Rastatt und hält nun als erster Badener die drei Titel im Turnier-, Schnell- und Blitzschach! Der 40-jährige gebürtige Mannheimer schlug nachstehend den Karlsruher Christoph Pfrommer.

W: Schmaltz S: Pfrommer
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.Sc3 Dc7 6.Le3 a6 7.a3 Sf6 8.f4 d6 9.Df3 Sxd4?! Le7 gefällt Programmen besser, weil sich die folgende Abwicklung von Pfrommer als Fehler entpuppt. 10.Lxd4 e5? 11.fxe5 dxe5 12.Dg3! Nach diesem starken Zug musste sich Schmaltz mit einem Grinsen „wüste“ Vorwürfe vom Autoren dieser Zeilen gefallen lassen, weil der Großmeister diese Falle in der Vorbereitung auf meine zeitgleiche Partie gegen Christopher Noe gezeigt hatte – und nun sie bei ihm aufs Brett kam, nicht aber gegen den besser gewappneten Eppinger Nachwuchsstar. Aber weil dieser trotzdem verlor, wurde dem Trainer der Rochade Kuppenheim natürlich der Fauxpas rasch verziehen … Dc6! Noch am besten. Schwarz geht mit der Dame aus der Fesselung und hofft, Kompensation durch rasche Entwicklung zu erhalten. Die Verteidigung des Bauern durch Sd7 führt zum raschen Verlust: 13.Sd5 Dxc2 14.Ld3 Dc6 15.Lxe5 Sxe5 16.Dxe5+ Kd8 17.Td1 Dd6 18.Dc3 Lg4 19.Le2 Lxe2 20.Kxe2 und auf der d-Linie wird es ungemütlich für Schwarz. Tc8 (Dc5 21.Se7+ Ke8 22.Dxc5) 21.Sc7 Txc7 22.Txd6+ Lxd6 23.Dxg7. Die Fortsetzung 12…Ld6 erlaubt 13.Dxg7 Tg8 14.Dxf6 exd4 15.Sd5 Dc6 16.Dxd4 Kf8 17.0–0–0 mit Gewinnstellung. 13.Dxe5+ Le6 14.0–0–0 0–0–0 15.Da5 Gleich 15.Lb5! ist unangenehmer für den Nachziehenden. Gleich 15.Lb5! ist unangenehmer für den Nachziehenden. Danach überzeugt axb5! 16.Sxb5 Ld6 17.Sa7+ Kc7 18.Sxc6 Lxe5 19.Sxe5 Sxe4 20.The1 f5± mehr als 15…Dc7 16.Dxc7+ Kxc7 17.Le2 Le7 (Lg4?? büßt eine Figur ein: 18.Lxf6 Txd1+ 19.Txd1 Lxe2) 20.Le5+ Kc6 21.Sxe2 –18.Lf3 The8 19.Kb1 Lf8 20.e5 Sg8 21.Se4, was der Rechner als gewonnen wertet. Txd4!? Eine interessante Opfer-Idee. Besser ist das trockene Ld6! 16.e5?! kostet nun keine Figur wegen des Zwischenzugs (16.g3!) Lc7 17.Db4 Sd5 18.Sxd5 Dxd5 19.Le2 Dxg2 20.The1 mit Ausgleich. 16.Txd4 Lc5 17.Td1? 17.Td3! widerlegt den gegnerischen Plan mit der Springergabel auf f2. Sg4 18.Sa4 Le3+ (Le7? 19.Tc3) 19.Kb1 Sf2 20.Tc3 Sxh1 21.Lxa6 Dxc3 22.Dxc3+ Kd8 23.Lxb7. Sg4 18.Sd5 Sf2

19.Lb5! Der Läufer findet im dritten Anlauf doch noch den Weg nach b5. Dd6 20.e5! Weiß hat keinen guten Springerabzug und spielt daher aktiv. Dxe5 21.Lxa6? Ein Schnitzer. 21.The1! erlaubt zwar Dg5+, aber nach 22.Kb1 Lxd5 entscheidet die Ablenkung 23.h4!! „Das hatte ich überhaupt nicht gesehen“, gestand Schmaltz nach der heimischen Analyse mit dem Computer. Dd6 22.Lc4 Sxh1? Kb8 nimmt die Schachgebote aus der Stellung. Danach ist die Stellung ausgeglichen. 23.Thf1 Sxd1 24.Txd1 Tc8 Für den Bauern hat Schwarz das Läuferpaar und steht passabel. 23.Txh1? 23.b4! Lxd5 24.Lxd5 Le3+ 25.Kb1 Kb8 26.Db5 Db6 27.Dxb6 Lxb6 28.Txh1 bietet gute Gewinnaussichten dank der Bauernmajorität am Damenflügel. Lxd5? Kb8 ist immer noch richtig. 24.Lxd5 Dxd5 25.Da8+ Kc7 26.Dxh8 Da2! Nur so. Pfrommer hofft auf ein Dauerschach mit Dame und Läufer, weil die weiße Dame weit entfernt steht, um dem eigenen Monarchen Schutz zu bieten. 27.Te1! Bewahrt die einzige Gewinnchance. 27.Td1?? Le3+ 28.Td2 Da1 matt. Da1+ 28.Kd2 Dxb2 29.Dxh7 Lxa3 30.Te3 Lb4+ 31.Ke2 Lc5 32.Tf3 De5+ 33.Kd2 Dg5+ 34.Kd1 Dxg2 35.Txf7+ Kb8 36.Dd3

Schwarz gab in dieser Stellung viel zu früh auf. Dg1+ 37.Tf1 Dg4+ 38.Kc1 Da4 39.Tf5 Da1+ 40.Kd2 Da5+ 41.Ke2 Db4 42.Tg5 Ld6 43.h3 Df4 44.Dd5 muss Weiß erst finden. Ansonsten liegt bei unpräzisen Zügen weiterhin ein Dauerschach in der Luft. 1:0.

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