31-jährige Erfurterin verpasst in der Schlussrunde den EM-Titel

Pähtz – Gaponenko: Ein Kraftzug noch – und weiß ist am Ziel..

Von Hartmut Metz
Elisabeth Pähtz ist zwar erst 31 Jahre alt – aber bereits die Hälfte ihres Lebens die deutsche Führungsspielerin. Die Tochter von Großmeister Thomas Pähtz spielte schon mit 13 für die Nationalmannschaft und gewann mit 14 erstmals den nationalen Titel der Frauen. 1999 sorgte die gebürtige Erfurterin noch zweimal für Furore: Zum einen brachte sie die Republik zusammen mit Hape Kerkeling zum Lachen, weil sie ihn via Kopfhörer unterstützte, als er bei seinem Sketch für die Sat-1-Sendung „Darüber lacht die Welt“ mehrere Vereinsspieler mit starken Zügen und vor allem provokanten Sprüchen zur Weißglut trieb. Die Jugend- und Juniorenweltmeisterin war zum anderen als Beraterin im Boot, als der russische Ausnahmekönner Garri Kasparow im Internet gegen „die Welt“ antrat. Hernach wurde es ruhiger um „Miss Eli“, auch wenn sie stets die klare deutsche Nummer eins war. Die Hochzeit mit dem Italiener Luca Shytai, der wie seine Gattin den Titel eines Internationalen Meisters trägt, scheint Pähtz beflügelt zu haben. Erstmals knackte die 31-Jährige die Schallmauer von 2500 Elo-Ratingpunkten und verbesserte sich in der Weltrangliste auf Platz 15. Die Top Ten sind nur noch einen Hauch entfernt und könnten nach einer starken Leistung bei der Europameisterschaft sogar am 1. Juli erreicht werden. Bei der EM kämpfte Pähtz bis zum Schluss um den Titel.
Ihre erste Niederlage in der elften und letzten Runde gegen Sabrina Vega Gutierrez warf die deutsche Spitzenspielerin allerdings auf Platz fünf zurück. Ihre spanische Bezwingerin wurde so mit 8,5 Zählern Zweite. Den EM-Titel sicherte sich die punktgleiche Anna Uschenina dank der besseren Feinwertung. Der zweite große Erfolg der Weltmeisterin von 2012. Bronze holte eine weitere Ex-Weltmeisterin, die Bulgarin Antoaneta Stefanowa. Sie sammelte wie Lilit Mkrtschjan (Armenien) acht Zähler. Das Feld der Spielerinnen mit 7,5 Punkten führte im rumänischen Mamaia Pähtz an.
Immerhin gelang der Wahl-Römerin in Runde neun die wohl schönste Partie der EM.

W: Pähtz S: Gaponenko
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 Sc6 8.Dd2 0–0 9.Lc4 Ld7 10.h4 Tc8 11.Lb3 Se5
h5 ist die Alternative, um die Öffnung der h-Linie vorerst zu unterbinden. 12.h5 Sxh5 13.0–0–0 Sc4 Sg3! schlägt der Rechner vor. 14.Lh6?! (14.Th2 ist solider)) Sxh1 15.Txh1 Lh8! Gibt die Qualität zurück, um sich besser verteidigen zu können. 16.g4 (16.Lxf8 Dxf8 ist schlecht für den Anziehenden) Sc4 17.Lxc4 Txc4 18.Sb3 Te8 19.Dh2 Le5 20.Lf4 Lxf4+ 21.Dxf4 e5 22.Dh6 Le6 23.Dxh7+ Kf8 24.f4 exf4 25.Dh6+ Ke7 26.Dxf4 Db6 27.Td1 Schwarz steht mit der Qualität mehr besser, Weiß kann aber noch tricksen. 13…Da5 kennt die Theorie ebenso. 14.Lxc4 Txc4 15.g4 Sf6 16.Sde2 Deckt den wunden Punkt c3, um das standardmäßige Qualitätsopfer zu verhindern. 16.Sb3 kommt genauso in Betracht. Da5 17.Lh6 Tfc8 18.Lxg7 Kxg7 19.Dh6+ Kg8

20.Td5! Eine Verstärkung gegenüber dem berühmten Vorläufer aus dem WM-Kandidaten-Finale 1974 zwischen Anatoli Karpow und dem kürzlich verstorbenen Viktor Kortschnoi. Weiß zog das auch sehr starke 20.Td3 T4c5? 21.g5! Txg5 22.Td5!! Txd5 23.Sxd5 Te8 24.Sef4 Lc6 25.e5! Lxd5 26.exf6 exf6 27.Dxh7+ Kf8 28.Dh8+ und Schwarz gab auf wegen Ke7 29.Sxd5+ Dxd5 (Kd7 30.Sxf6+ bzw. 29…Kd8 30.Dxf6+) 30.Te1+ Kd7 31.Dxe8+. Dc7 21.Td3 Da5? Mit Dd8! müsste Gaponenko in die Verteidigung gehen. Nun hat Pähtz die Stellung aus der Karpow-Partie – jedoch mit einem wichtigen Tempo mehr! 22.Kb1 Ein zusätzlicher Sicherungszug. Le6 23.a3 Nimmt alle Opferideen auf c3 und Einschlag auf a2 aus der Stellung. Dc5? Damit beraubt sich Schwarz jeglicher Angriffschancen, weil die Opfer auf der c-Linie nun völlig ausgeschlossen sind. 24.Sg3! Df2 25.Sge2? Das energische 25.e5! entscheidet sofort. dxe5 (Dxg3 26.exf6 exf6 27.Te3! Noch stärker als sofortiges Nehmen auf h7. Df4 28.Dxh7+ Kf8 29.Txe6! fxe6 30.Dh8+ Kf7 31.Th7 matt) 26.g5 Dxg3 27.gxf6 exf6

28.Td7!! Lxd7 29.Sd5 Tf4 (Dg5 30.Se7+ Kh8 31.Dxh7 matt) 30.Dxh7+ Kf8 31.Dh8 matt. b5? Das verliert umgehend. Einen Versuch wert war Txc3!? 26.Sxc3 b5 mit gewissen Gegenchancen, nachdem der Einschlag auf h7 nicht mehr droht. 26.g5! Sh5

27.Sf4! Txc3 Sxf4 28.Dxh7+ Kf8 29.Dh8 matt. 28.bxc3 Dc5 Andere Züge reichen auch nicht mehr. 29.Txh5! gxh5 30.Sxh5 De5 31.f4 Dh8

Nur von dort kann das Matt auf g7 verhindert werden. 32.Sf6+! Der letzte kraftvolle Zug! exf6 33.gxf6 Gegen Tg3+ gibt es keine Verteidigung mehr. 1:0.

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