„Die Rückkehr des Königs“

Weltmeister Carlsen knüpft wieder an „standesgemäße“ Erfolge an

Van Wely – Carlsen: Schwarz piekst und gewinnt

Von Hartmut Metz
Die Jäger hatten bereits etwas den Respekt verloren und attackierten ihn härter. Magnus Carlsen büßte 2015 von seiner Aura als unantastbarer Weltmeister ein. In der Weltrangliste schrumpfte der Abstand zusehends. Doch in den vergangenen zwei Monaten trumpfte der 25-Jährige wieder in gewohnter Manier auf. „Die Rückkehr des Königs“ titelte das „Schach-Magazin 64“ im aktuellen Februar-Heft, noch bevor Carlsen seine dritte Glanztat in Wijk aan Zee folgen ließ. Der Norweger gewann nicht nur die London Chess Classic und die Gesamtwertung der Grand Chess Tour. Danach siegte er beim Qatar Masters. Carlsen wagte sich als erster Weltmeister seit Boris Spasski 1971 in ein offenes Turnier und siegte standesgemäß vor dem niederen Fußvolk. Die Plätze gingen an den Chinesen Yu Yangyi und den Russen Wladimir Kramnik, der mit 2 801 Elo auf Platz zwei der Weltrangliste nun fast 50 Zähler hinter dem Führenden liegt. Beim Traditions- turnier an der niederländischen Küste deklassierte Carlsen die Kronprinzen. Bei der 78. Auflage in Wijk aan Zee blieb der Ausnahmekönner ungeschlagen und ging nach 13 Runden mit neun Punkten über den Zielstrich. Ein voller Zähler Vorsprung auf die Verfolger sind im Schach Welten.
Der Amerikaner Fabiano Caruana hielt bis zu seiner Schlussrunden-Niederlage am besten mit und wurde vor Ding Liren (China) Zweiter. Mit einem weiteren Zähler Abstand folgten der ungeschlagene Wesley So (USA), der niederländische Lokalmatador Anish Giri und Pawel Eljanow (Ukraine/alle 7).
Nach den jüngsten Turniererfolgen darf Carlsen wieder zuversichtlich der Suche seines Herausforderers im März beim Kandidatenturnier entgegensehen. In der fünften Runde in Wijk aan Zee wich der Weltmeister sogar von seiner üblichen Spielweise ab: Statt den Gegner bis zu dessen Erschöpfung „zu kneten“, opferte der 25-Jährige riskant eine Figur für zweifelhaften Angriff. Loek van Wely, der sich als Schlusslicht mit fünf Punkten gut in der A-Gruppe verkaufte, griff in Zeitnot fehl.

W: van Wely S: Carlsen
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.Lf4 Lg7 5.e3 0–0 6.Tc1 Le6 7.cxd5 Sxd5 8.Sxd5 Lxd5 9.Lxc7 Dd7 10.Lg3 Das gierige 10.b3? Sc6 11.Lg3 e5 12.dxe5 Tfd8 13.Sf3 Df5 beschert Schwarz aktives Gegenspiel für die zwei Bauern. Weiß muss schon auf der Hut sein. Lxa2 11.Se2 Ld5 12.Sc3 Lc6 13.h4 Td8 14.Db3 Df5 15.h5 e6 16.hxg6 hxg6 Bis dahin gefällt den Engines das Spiel beider Seiten. Weiß steht besser. 17.Dd1?! 17.Sb5! überzeugt mehr. Ld5 18.Da3! Lf8 19.Sd6! Lxd6 (Züge wie Df6 gehen nicht wegen 20.Le5 Lxd6 21.Lxf6 Lxa3 22.Th8 matt) 20.Lxd6 Sc6 21.Lg3± und auf Grund der schwarzen Felderschwächen hat Schwarz ein Problem. Sd7?! Da5 ist vorzuziehen, um den Bauernvorstoß b4 zu unterbinden. 18.Ld3?! 18.b4! Sb6 (Sf6 19.b5 Ld5 20.f3 Sh5 21.Lh4 Lf6 22.Lf2 Dg5 23.Sxd5 Dxd5 24.g4 Sg7 25.Lc4 Dd7 26.Db3± ist für Weiß deutlich besser; 18…a6 kommt daher auch stark in Betracht, auch wenn Schwarz dem Gegner das Läuferpaar geben muss. 19.Ld3 Dg5 20.Se4 Lxe4 21.Lxe4 Db5) 19.Lh4 Tdc8 20.Ld3 Dh5 Die Dame hat kein anderes Feld. 21.Dxh5 gxh5 22.Le7 Lxg2 23.Txh5 f6 24.Lc5 Sd5 25.Sb5 und Schwarz gehen die guten Züge aus, weil b6? nach 26.Lh7+ Kf7 27.Sd6+ Kf8 28.Sxc8+ bxc5 29.Txc5 verliert. Da5 19.Kf1 19.0–0 wirkt sicherer. Loek van Wely hofft jedoch auf einen gefährlichen Angriff auf der h-Linie. Sf6 20.Le5?! 20.Th3 Sd5 21.Kg1 wahrt leichten Vorteil. Tac8 21.Dd2?! Stellt die Dame auf ein schlechteres Feld, auch wenn sie von dort b2 und c3 überdeckt. 21.Kg1 kommt in Betracht Sg4 22.Lxg7 Kxg7 23.f3

Dg5?! Ein zweischneidiger Zug! Fast jeder andere Spieler hätte automatisch Sf6 gezogen, was auch objektiv am besten ist. 24.fxg4 Txd4 Die Pointe. Carlsen erhält zwei Bauern, zertrümmert das weiße Zentrum und erhält Angriffschancen. Weiß befindet sich plötzlich in der Defensive. 25.Ke1 De5 26.Se2 Txg4 27.e4 Txg2? g5 verhindert das Damenschach auf h6. 28.Dh6+ Kf6 Kg8?? verliert einen Turm. 29.Dh7+ Kf8 30.Dh8+ Dxh8 31.Txh8+ Ke7 32.Txc8. 29.Tc3? In Zeitnot verpasst van Wely eine erfolgsverheißende Fortsetzung: 29.Dh4+! g5 (Oder a) Dg5?? 30.e5+! Kg7 (Kxe5 31.Dd4 matt) 31.Dh7+ Kf8 32.Dh8+ Ke7 33.Dxc8 Txe2+ 34.Kxe2 Dxe5+ 35.Kd1 und Weiß gewinnt nach jedem schwarzen Zug; b) 29…Tg5 30.Tg1 Da5+ 31.Sc3 und der Turm auf g5 geht früher oder später verloren.) 30.Dh3! Fängt den kecken Turm auf g2. Td8 31.Dxg2 Txd3 32.Df2+ Kg7 33.Tc5 Dxb2 34.Txg5+ Kf8 35.Dc5+ Ke8 36.Tg8+ Kd7 37.Thh8 Da1+ 38.Kf2 Df6+ 39.Kg1 Td1+ 40.Kh2+– und der König steht endlich sicher. Td8 30.Dh3 Dg5 31.Tf1+ Kg7 32.Df3 Td7 33.Tf2 Tg4= 34.Sf4? Ein Fehler, der Carlsen mehr Chancen gibt. 34.Sd4 führt zum Remis. e5 35.Se6+ fxe6 36.Df8+ Kh7 37.Tf7+ Txf7 38.Dxf7+ Kh6 39.Df8+ Kh7 40.Df7+. Dh4 35.Le2? 35.Sg2 Dh1+ 36.Ke2 Txe4+! 37.Lxe4 Dd1+ 38.Ke3 Dd4+ 39.Kf4 Lxe4 40.De3 Lxg2+ 41.Dxd4+ Txd4+ 42.Ke3 Te4+ 43.Kd3 Tg4 44.Tc7 Ld5 45.Tcxf7+ Kh6 46.T7f4 bietet noch Remischancen. Tg1+ 36.Lf1 Kg8? e5! entscheidet: 37.Sh3 Tg4 und mit vier Bauern für die Figur plus Angriff sieht es sehr gut für den Nachziehenden aus. 37.Se2?

Verdirbt die Partie sofort. 37.Sg2 Dxe4+ 38.Dxe4 Lxe4 39.Se3 Td3 40.Txd3 Lxd3 41.Td2 Lxf1 42.Sxf1 Tg4 43.Kd1 Tb4 44.Kc2 Kg7 erweist sich jedoch auch als unangenehm. Die drei Bauern am Königsflügel sind kaum zu bremsen. Txf1+! 38.Kxf1 Td1+ 39.Kg2

Lxe4! 1:0. Der Holländer gab auf wegen 40.Dxe4 Dh1+ 41.Kg3 Dxe4.

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gepostet unter: Kolumne von Gerhard Gorges | 0 Kommentare | nach oben
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