Naiditsch setzt sich bei „deutscher Supermeisterschaft“ durch

Naiditsch – Meier: Ein letzter Sidekick von Weiß beendet alsbald die Partie

Von Hartmut Metz
„Wenn man ein Turnier gewinnt, ist man zufrieden“, unterstreicht Arkadij Naiditsch. Der Großmeister der OSG Baden-Baden zeigte sich trotz der soliden Ausbeute von 5:2 Punkten wenig begeistert von seinem Spiel bei den Grenke Chess Classic. Vor allem seine Niederlage gegen Nachwuchs-Hoffnung Matthias Blübaum (Werder Bremen) geißelte der Weltrang- listen-34. als „katastrophal. So zu verlieren“, nimmt der Sandweierer bezüglich der zweiten Runde der „deutschen Supermeisterschaft“ kein Blatt vor den Mund, sei „keine gute Basis für ein Turnier und war furchtbar“. Die nächste Partie „entschied“ laut Naiditsch den mit mehr als 20 000 Euro dotierten Wettbewerb, an dem alle nationalen Topspieler teilnahmen: „Dass ich gegen Georg Meier so schnell gewann, war wichtig für das Turnier.“ Bis dahin führte der zuletzt so überzeugende Nationalmannschafts- und Vereinskollege. Anschließend brach Meier ein – frustriert von der Schlappe in 25 Zügen und zermalmt von der Doppelbelastung:
Der Student für Management und internationale Beziehungen musste sich nebenbei auf drei Prüfungen und einen Vortrag in der Woche danach an seiner Privatuni in Wien vorbereiten. So blieb der 27-Jährige weit hinter seinen Möglichkeiten und landete im Achterfeld auf Platz sechs. Wie Meier sammelten die vor ihm liegenden Blübaum und Liviu-Dieter Nisipeanu (OSG Baden-Baden) 3,5 Zähler.
Ein spannendes Duell um Platz zwei lieferten sich die Nationalspieler David Baramidze und Daniel Fridman. Der Mülheimer hatte bei jeweils vier Punkten knapp das Nachsehen. Der Hockenheimer Baramidze qualifizierte sich dank der höheren Zahl an Siegen für das Weltklasseturnier, das 2015 in der Kurstadt ausgetragen werden soll.

W: Naiditsch S: Meier
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Sf3 Lxc3+
Ein selten gewähltes Abspiel. Die Rochade, d5, c5 und b6 lauten die vier Alternativen. 5.bxc3 d6 6.g4!? Obwohl der aggressive Bauernvorstoß in vielen Abspielen eine Rolle spielt, handelt es sich in dieser Variante um eine Neuerung. Naiditsch hat sie sicher mit Blick auf die Erstrunden-Partie Meiers gegen Matthias Blübaum vorbereitet, zumal der Zug seinem Stil entspricht. Gegen Blübaum hatte Meier rasch mit Schwarz Vorteil erhalten: 6.g3 b6 7.Lg2 Lb7 8.0–0 0–0 9.Te1 h6 10.Lh3 Te8 11.Dc2 Sc6 12.d5? Sa5 13.dxe6 fxe6 14.Sd4 Dd7 und die Stellung des Nachziehenden ist zu bevorzugen. 0–0 Der Zug ist in Ordnung. Ängstlichere Naturen hätten sicher erst einmal den Springer nach c6 entwickelt und nicht ins bald folgende Schlachtengetümmel hineinrochiert. 7.g5 Sfd7 Se4 8.Dc2 d5 wirkt aktiver. 8.h4!? Sc6 9.Lg2 Sofort 9.h5 ist eine Überlegung wert, um die g-Linie offen zu lassen. De8 e5 verspricht wilde Verwicklungen: 10.h5 Sb6 11.g6 fxg6 12.h6 exd4 13.hxg7 Te8 14.Sg5 h5 15.Txh5! gxh5 16.Dd3 Txe2+! 17.Kxe2 De7+ 18.Le3 Lg4+ 19.Kf1 Dxg7 20.cxd4 Tf8 samt Ausgleich. 10.h5 e5 11.g6!? Setzt die Brechstange an. Das ruhigere 11.Le3 erlaubt f5 12.gxf6 Sxf6 13.h6 g6 14.Sg5 Kh8 mit beiderseitigen Chancen. 11.h6 g6 schwächt zwar die schwarzen Felder im gegnerischen Lager, aber Weiß hat Mühe, dies in der geschlossenen Stellung auszunutzen. h6 12.Sh4 Se7 13.c5!? Das öffnet die Diagonale für die Dame, die von b3 aus eventuell in naher Zukunft ein unangenehmes Schach geben will. 13.Tg1 überzeugt ebenso. fxg6 geht für Schwarz knapp: 14.Sxg6 Sxg6 15.Ld5+ Kh8 16.hxg6 Sf6 wegen 17.Lxh6! Sxd5 18.cxd5 Tf6 19.Le3 Txg6 20.Txg6 Dxg6 21.dxe5 dxe5 22.f3 und der weiße Vorteil bleibt minimal. Beide Könige stehen etwas unsicher. dxc5 14.Tg1 fxg6 15.hxg6 Tf6? Spielt Naiditsch in die Hände. Sb6! 16.dxe5 (16.Db3+ c4 und 16.dxc5 Sc4 17.Db3 Le6 sind für Schwarz klar besser) Sc6 17.f4 Le6 18.Dc2 De7 19.Th1 Tad8 20.Le4 Ld5 21.Sf5 De6 22.Th5 Lxe4 23.Dxe4 Tf6! 24.La3 Txg6 25.Lxc5 Dd5 26.Dxd5+ Sxd5 27.Th4 bereitet Weiß mehr Kopfzerbrechen. 16.Db3+ Kf8 Auf Kh8 folgt 17.Lxh6! Tb6 (gxh6? 18.g7+ Kxg7 – oder Kh7 19.Le4+ – 19.Lxb7+ Kh8 20.Lxa8) 18.Da4 Ta6 19.Dc2 cxd4 20.Lg5 Sf6 21.cxd4 exd4 22.Th1 Kg8 23.Db3+ Kf8 (Le6 24.Dxb7 und beide Türme hängen) 24.Tc1 Tb6 25.Da3 Le6 26.Sf5!! Lxf5 27.Th8+ Sfg8 28.Ld5 Le6 29.Df3+ Sf5 30.Dxf5+ Lxf5 31.Txg8 matt.

17.Lxh6! Trotzdem! c4? Das gewinnt zwar eine Figur, kostet aber die Partie. gxh6? geht auch nicht gleich wegen 18.Lxb7 Lxb7 19.g7 matt. Dagegen hält 17…Tb6 18.Dc4 Meier im Spiel. 18.Dxc4 Sb6 19.Dd3! gxh6 Sxg6? 20.Le4 gxh6 21.Sxg6+. 20.g7+ Kf7 Kxg7 21.Lc6+ büßt die Dame ein. Auf Kg8 nimmt 21.Le4! das Feld h7 ins Visier und wandelt den g-Bauern danach um.

21.Lf3 Dg8 Lf5 22.Sxf5 Txf5 23.g8D+ Dxg8 24.Txg8 Txg8 25.0–0–0 gibt Schwarz zu wenig für die Dame. Die Niederlage wendet auch Txf3 22.g8D+ Sxg8 23.Dh7+ Ke6 24.Sxf3 Sf6 25.Tg6 Sbd7 26.dxe5 Sxe5 27.Sd4+ Kd5 28.Txf6 nicht ab. 22.Lh5+ Ke6 23.dxe5 Tf4 24.Sg6 Sxg6 25.Lxg6 1:0. Nach Dxg7 (Ld7 26.Lh7 Df7 27.g8D Txg8 28.Lxg8) 26.Lf5+ Txf5 27.Txg7 behält Naiditsch die Oberhand.

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