Zehnjähriger und Amateur Kollars fallen in Verden an der Aller auf

Fridmann – Schild: Weiß gewinnt – Partie mit Schönheitspreis

Von Hartmut Metz
Daniel Fridman hat zum dritten Mal den deutschen Einzeltitel erobert. Der Schach-Großmeister des SV Mülheim Nord beherrschte bei der 85. deutschen Meisterschaft das 44-köpfige Feld. Mit 7,5 Punkten lag der 38-Jährige nach neun Runden einen halben Zähler vor Nachwuchshoffnung Dennis Wagner (SV Hockenheim). Bronze sicherte sich Witali Kunin. Der Großmeister von Freibauer Mörlenbach-Birkenau kam als einziger Spieler auf 6,5 Zähler, obwohl er gegen die beiden Erstplatzierten verlor. Der Hesse Kunin entschied ansonsten aber sechs von sieben Partien für sich. Hinter den Mitfavoriten Matthias Blübaum (Werder Bremen), Igor Khenkin (SG Porz) und Rainer Buhmann (SV Hockenheim) sowie René Stern (König Tegel/alle 6) sorgte Dimitrij Kollars für Aufsehen: Der Amateur des Delmenhorster SK erspielte mit 5,5 Zählern eine Performance von 2 500 Elo und steigerte seine Ratingzahl um unglaubliche 104 Elo auf künftig 2 387! Eine starke deutsche Meisterschaft gelang auch dem Präsidenten des Deutschen Schachbundes (DSB): Herbert Bastian wurde mit ebenfalls 5,5 Punkten Elfter. Eine der überzeugendsten Leistungen des Dauergasts, der das Saarland bereits an die 25 Mal bei nationalen Titelkämpfen vertrat!
Obwohl nur 34., zählt Vincent Keymer ebenso zu den positiven Überraschungen in Verden an der Aller: 3,5 Punkte sind für einen Zehnjährigen formidabel! Der Junge vom SK Gau-Algesheim könnte das Zeug zu einem deutschen Magnus Carlsen haben – mit zehn Jahren war der Weltmeister aus Norwegen auch nicht stärker …
In der zweiten Runde gelang Fridman ein hübscher Sieg über den Freiburger Christoph Schild. Der deutsche Meister heimste dafür auch den Schönheitspreis ein.

W: Fridman S: Schild
1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.g4!?
Der unerwartete Bauernvorstoß gehört zum Repertoire des deutschen Meisters. 0–0 Ein Hasenfuß hätte nicht auf die kurze Seite rochiert, weil die weißen Bauern nun rasch anrollen. Sxg4 empfiehlt sich kaum: 5.Tg1 f5 6.h3 Sf6 7.Txg7 verschärft die Stellung, wobei die weißen Chancen angesichts des offenen schwarzen Königs eindeutig zu bevorzugen sind. 5.g5 Lxc3 6.dxc3 Se8?! Se4 ist deutlich aktiver. 7.Lg2 De7 8.h4 Sc6 9.h5 f5 10.Sh4!? Ein trickreicher Zug, der vorerst e5 unterbindet. f4 Will sich den g5–Bauern einverleiben. e5?? hätte im Fiasko geendet: 11.Ld5+ Kh8 12.Sg6+ hxg6 13.hxg6 matt! 11.e3! Dxg5 12.exf4 Dc5 13.Dd3 13.h6 gefällt dem Rechner am besten. Se7 Sd6 14.b3 Dxh5 15.Lf3 Df7 16.c5 Se8 (Sf5? 17.Sxf5 Dxf5 18.Le4 Dg4 19.Lxh7+ Kf7 20.Le3 Se7 21.Le4 Sg8 22.f3 Dg3+ 23.Ke2! Dg2+ 24.Lf2 und die Dame geht verloren) 17.Le3 erweckt auch wenig Vertrauen: Fridman rochiert lang und wirft den zweiten Turm auf die g-Linie. Der weiße Angriff ist danach brandgefährlich. 14.Le3 Dd6 15.De2 Droht 16.c5. Sf5 Sf6?? 16.c5 Da6 17.Dxa6 bxa6 18.Lxa8. 16.Sxf5 Txf5 17.Le4 Tf7 18.h6 g6 19.Dc2 Tf5 Schild entschließt sich, den drohenden Einschlag auf g6 radikal zu verhindern. Tf6 20.c5 De7 21.0–0–0 d5 22.cxd6 cxd6 23.Tdg1 Erneuert die Drohung auf g6. Df7 24.Ld4 Txf4 25.Lxg6 hxg6 26.h7+. 20.c5 Df8 21.0–0–0 Df7 22.Lxf5 exf5 23.The1! Geht auf die einzige offene Linie. c6 Schwarz hat nicht nur die Qualität weniger, sondern vor allem Entwicklungsprobleme: Turm und Läufer kommen nicht ins Spiel. d6 verliert Schwarz ebenso: 24.cxd6 Sxd6 25.Lc5 Dxa2 26.Lxd6 cxd6 27.Te8+ Kf7 28.Tde1 Da1+ 29.Kd2 Da5 30.T1e7+ Kf6 31.Dd3 Db6 32.Ke1 a5 33.Dg3 Dxb2 34.Dg5 matt. 24.Ld4 Sc7 25.De2 Se6 Die e-Linie ist wenigstens gestopft – aber das hilft Schild auch nicht mehr. 26.De5 Kf8 27.Dh8+ Dg8 28.Df6+ Df7

29.Txe6 1:0. Schwarz gab auf wegen dxe6 30.Dd8+ De8 31.Lg7+ Kf7 32.Df6+ Kg8 33.Td8 Ld7 34.Lh8! Txd8 35.Dg7 matt.

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