Einfallsreicher Förster: Alexej Troizki vor 150 Jahren geboren
Studie von Alexej Troizki: h8D gewinnt – nicht! Was dann?

Von Hartmut Metz
Es gibt nur wenige Schachspieler, die ohne Turniererfolge in die Geschichte eingehen. Alexej Troizki gehört zu ihnen. Der Förster besaß seinen Erzählungen nach nur ein Buch, das Standardwerk von Dufresne und Berger, „Theorie und Praxis des Endspiels“. Das prägte den vor 150 Jahren (14. März 1866) geborenen Russen. Er untersuchte als Erster tiefgründig das Endspiel mit zwei Springern gegen Bauer. Troizki stellte fest, dass die stärkere Partei nur gewinnt, wenn der verbliebene Bauer hinter einer bestimmten Linie steht. Sie heißt deshalb Troizki-Linie. Doch noch mehr machte sich der St. Petersburger um Studien verdient. Man darf ihn als Urvater dieser Kunstsparte bezeichnen. Originelle Ideen finden sich in allen Beispielen. Sie reichen von gegnerischer Figuren- jagd, Unterverwandlung von Bauern, Patt-Kombi- nationen, Kampf verschiedener Figurengruppen, Einmauerung und positionellen Remisstellungen, obwohl eine Seite materiell weit überlegen ist. Troizki legte Wert darauf, die Studien nahe an die Praxis anzulehnen, so dass jeder Turnierspieler davon profitieren kann. 1928 wurde er in der UdSSR als erster Schachkomponist mit dem Titel „Verdienter Künstler“ geehrt.
1934 folgte der Titel als „Meister des Sports“.
1924 verbrannte ein Großteil seiner Studien. Der Förster rekonstruierte jedoch viele aus dem Gedächtnis. Insgesamt hinterließ der Russe so rund 750 Studien. Etwa 1 000 soll Troizki bis zu seinem Tod am 14. August 1942 ersonnen haben, als er während der Blockade von Leningrad starb. Nachstehend finden sich mehrere großartige wie lehrreiche Beispiele.
Selbst mit neun Läufern derselben Farbe kann Weiß kein Matt erzwingen gegen den nackten schwarzen König. Wie gewinnen jedoch die fünf Läufer in dieser Studie von 1915?

 

1.Lce5! a5 Ka2 2.Kc2 a5 3.La1 a4 4.Lbe5 a3 5.Kc3 Kxa1 6.Kb3+ Kb1 7.La1 a2 8.Kc3 Kxa1 9.Kc2 matt. 2.La1! a4 3.Lbe5 a3 4.Kd2 Ka2 5.Kc3 Kxa1 Oder Kb1 6.Kb3 a2 7.Kc3 Kxa1 8.Kc2 matt. 6.Kb3+ Kb1 7.La1! a2 8.Kc3 Kxa1 9.Kc2 matt.

Hat Weiß mehr als ein Remis in dieser Studie, die 1913 in der „Deutschen Schachzeitung“ erschien?

 

1.f6! 1.Kxg2 reicht nicht wegen Kg5 2.a4 bxa3 3.bxa3 Kf6 4.a4 Ke7 und der schwarze König erreicht rechtzeitig das Umwandlungsfeld auf der a-Linie und rettet somit einen halben Punkt. gxf6 2.Kxg2 Ein erforderlicher Zwischenzug. 2.a4? Kg3 3.a5 f5 4.a6 f4 5.a7 f3 6.a8D f2 matt. Kg4 3.a4 bxa3 4.bxa3 Kf5 5.a4 Ke5 6.d6! Die nächste Pointe. cxd6 7.c6! Der letzte erforderliche Kniff! dxc6 8.a5 Endlich hat der Bauer freie Bahn. Der feindliche König kommt auf allen Routen zu spät. 1:0.

Troitzki veröffentlichte 1924 diese anspruchsvolle Aufgabe: Weiß am Zug verschenkt einen halben Zähler, wenn er zu unvorsichtig agiert.

 

1.h7 f2 2.Lc4 a2 3.Kb2 Ka5 4.h8L!! Nur so! Das vermeintlich offensichtliche 4.h8D?? (4.h8T?? Ld4+ 5.Kxa2 Lxh8) erlaubt eine hübsche Rettung: a1D+! 5.Kxa1 f1D+! 6.Lxf1 Ld4+! 7.Dxd4 führt zum Patt. 1:0.

 

Weiß scheint mit einem Remis mehr als gut bedient, angesichts der Bauern-Übermacht, die der Gegner für den Bauern hat. Doch in der Studie von 1935 steckt eine sehenswerte Zugzwang-Idee. 1.Db5+ 1.Da6+ erweist sich als Fehler: Kc3! 2.Dc6+ (2.Dxa5+ Kb3 3.Db5+ Kc3! 4.Dc5+ Kb3 5.Dxd5+ Kb4!=) .Kb4! 3.Lc5+ (3.Dc5+ Ka4!=) Kb3! 4.Db5+ Kc3 5.Dxa5+ Kc4 6.Db4+ Kd3 7.Db5+ Kc3 8.Db4+ mit Dauerschach. Kc3! Ke4? 2.De2+ Kf4 3.Lh2+. 2.Dc5+ Kb2! Kb3 ergibt ein Matt: 3.Dxd5+ Kb4 4.Dc5+ Kb3 5.Db5+ Kc3 6.Dxe5+ Kb4 7.Dd4+ Kb3 8.Dd5+ Kb4 9.Lc5+ Kb5 10.Ld4+ Kb4 11.Dc5+ Ka4 12.Dc4+ Ka3 13.Lc5+ Kb2 14.Dc2+ Ka1 15.Ld4 matt. 3.Dc2+ Ka1!
Doch wie soll es nun im Gewinnsinne für Weiß weitergehen?

 

 

4.Dc1+! Dxc1+ 5.Kxc1 d4 Der Läufer scheint der schwarzen Bauernübermacht ausgeliefert. Der Eindruck täuscht allerdings. Der einsame Streiter wird zum Helden! 6.Lf2 f4 7.Lh4 f3 8.Lg3 f6 9.Lh4 a4 10.Lf2 f5 11.Lg3 f2 12.Lxf2 f4 13.Lh4 f3 14.Lg3 f2 15.Lxf2 a3 16.Lg3 e4 17.Le5 e3 18.Lxd4 matt.

Partien online:

pgn-Download