IM Partos – Merkel: Schwarz entzaubert den weißen Angriffsplan mit einer faustdicken überraschung!

Murgtäler Schachspieler erinnern an alte Glanzzeiten
Von Hartmut Metz
Die Schachfreunde Hörden haben ein bisschen an glorreiche alte Zeiten angeknüpft: Die Murgtäler gewannen mit 16:2 Punkten den Titel in der Landesliga. Der frühere Oberligist ging mit einem Zähler Vorsprung auf die mit Talenten gespickten SF Sasbach über die Ziellinie. Die Überraschung verdankten die Hördener vor allem Gerd Merkel. Ihr vieljähriger Spitzenspieler blieb an vorderster Front ungeschlagen und sammelte stolze 6:1 Punkte. Diese bedeuteten eine Rating-Performance von 2347 Elo. „Es stimmt, ich war schon immer gut“, scherzt Merkel wie gewohnt mit trockenem Humor, als er auf seine früheren Erfolge angesprochen wurde. Der Kaufmann, der einst beim schon lange aufgelösten SK Forbach anfing, trumpfte vor allem immer wieder beim Chessorg-Turnier in Oberstdorf auf. Gleich fünfmal siegte der 63-Jährige dort – seinen größten Erfolg feierte Merkel jedoch 1985. Damals gewann er das stark besetzte internationale Open in Klausen (Südtirol) vor rund 200 Teilnehmern, darunter einigen Internationalen Meistern (IM). In der Zeit trumpfte er auch in der Verbandsliga groß auf und holte phänomenale 8,5:0,5 Punkte!
Den neuerlichen Höhenflug des Ex-Oberligisten sieht Merkel realistisch. „Wir spielen fast mit der gleichen Mannschaft, die vor rund 15 Jahren aus der Verbandsliga abgestiegen ist. Weil die Verbandsligen und die Oberliga heutzutage bedeutend stärker besetzt sind als damals, haben wir ohne Verstärkungen nicht viel zu erwarten. Es wäre schon eine Sensation, wenn wir uns in der Klasse halten könnten“, glaubt Merkel – zumindest am Hördener Spitzenspieler dürfte der Klassenerhalt indes kaum scheitern!
Hinter Merkel präsentierte sich der Aufsteiger als kompakte Einheit: Die Hördener Urgesteine Harald Immer (5:2), Norbert Frühe und Fritz Rahner sowie Lothar Thon (alle 4,5:2,5) punkteten am fleißigsten. Überdies standen Christian Stefan Karcher (3:4), Michael Zunker (1:5), Jörg Eisele (1,5:3,5), Josef Karcher (1:1) und Michael Kohlbecker (0:1) im Meister-Team, das diese Saison gleich zwei Kämpfe kampflos gewann.
In der nachstehenden Partie schlug Merkel den IM Charles Partos aus der Schweiz, der die höchste Wertungszahl in der Landesliga aufweist. Der Sieg garantierte das wichtige 5:3 über den Tabellendritten SC Dreiländereck.

W: Partos S: Merkel
1.c4 Sf6 2.Sc3 g6 3.e4 d6 4.d4 Lg7 5.Sf3 0–0 6.g3 Sbd7 7.Lg2 e5 8.0–0 c6 9.h3 Te8 10.Te1 a5 11.Tb1 exd4 12.Sxd4 Sc5 13.b3 Eine bekannte Theorievariante, die Schwarz vor einiger Zeit schon mit gutem Erfolg gegen den Kuppenheimer Joachim Kick gespielt hatte. Sfd7 14.Le3 Se5 15.Lf1 f5 16.exf5 gxf5 17.f4?! Dieser Zug entzieht dem Le3 seine Deckung durch den Bauern, und Schwarz kann durch die folgende Kombination ausgleichen. Nach zum Beispiel 17.Tc1 steht Weiß immer noch etwas besser.

Sed3! Das verliert dem ersten Anschein nach schlicht einen Springer, da er auf d3 zweimal angegriffen ist. Doch mit einem taktischen Zwischenschlag rechtfertigt Schwarz den Zug. 18.Lxd3 Weiß hat nichts Besseres. Txe3! Die Pointe. 19.Txe3 Lxd4 Die Figur erhält Merkel zurück, und die Qualität auf e3 ist auch nicht zu retten. Schwarz hat ausgeglichen. 20.Dd2 Df6 21.Se2?! 21.Tbe1 Ld7 22.Lf1 Te8 23.Kg2 Lxe3 24.Txe3 Txe3 25.Dxe3 ergibt eine remisige Stellung. Lxe3+ 22.Dxe3 Ld7 23.Lc2 Te8 24.Dd2 De7 25.Sd4? Jetzt kommt Weiß in Nachteil. 25.Kf1 oder 25.Te1 hätten weiterhin für ein Unentschieden genügt. Se4 26.Lxe4 26.Dd3?! c5 27.Se2 Lc6 spielt dem Nachziehenden in die Karten. Seine Figuren sind nun alle optimal postiert und bereit zu einem Überfall auf den weißen König. Dxe4 27.Tf1?! 27.Sc2! geht noch als einziger Verteidigungszug. Df3 (c5 28.Te1 Df3 29.Txe8+ Lxe8 30.De3 Dd1+ 31.Se1 beschert Schwarz keinen Vorteil) 28.Df2 Dd3 29.Te1 a4 30.Txe8+ Lxe8 31.De3 mit Ausgleich. c5! 28.Sf3 Lc6 „Mit dem Besitz der e-Linie und dem Superläufer auf c6 steht Schwarz jetzt bombig“, befindet Merkel. 29.Df2 29.Dc3 kostet einen Bauern: De3+ 30.Dxe3 Txe3 31.Sh4 Txg3+ 32.Kh2 Td3 33.Sxf5 Td2+ 34.Kg3 Ld7 35.Se3 Txa2 36.Td1 Ta3 37.Txd6 Le8 38.Sf5 Txb3+ 39.Kg4 a4 40.Td8 Kf7 41.Sd6+ Ke7 42.Txe8+ Kxd6 43.f5 Kd7 44.Ta8 a3 ist eine Variante, in der Partos noch auf ein Remis hoffen dürfte wegen des gefährlichen f-Bauern. 45.h4 Kd6 46.f6 Ke6 47.Kg5 h6+ 48.Kg6 Tg3+ 49.Kxh6 Kxf6 50.h5 und Weiß verteidigt den halben Punkt. Dd3?! Kf8 ist präziser. Schwarz optimiert selbst die Königsstellung, um potenzielle Damen-Schachs auf e6 nach einem Turmtausch aus der Stellung zu nehmen! 30.Se1 Dc3 31.Sg2 a4 Schwarz will sich am weißen Damenflügel gütlich tun. 32.Te1 axb3 33.Txe8+ Lxe8 34.axb3 Dxb3 35.Se3? 35.De2! Db1+ 36.Kf2 De4 37.Se3 Lc6 38.Dh5 gibt Weiß Gegenchancen. Lf7? „Eigentlich ein Fehler. Schwarz spielt auf die Zeitnot seines Gegners und hofft, dass Weiß den Bauern auf f5 raubt“, erzählt Merkel. 36.Sg2? „Weiß nimmt den Springer in die Hand – und sieht in letzter Sekunde, dass nach 36.Sxf5?? Db1+ 37.Kh2 Dxf5 der Springer weg ist. 36.De2! egalisiert hingegen“, ergänzt der Hördener. Dxc4 Damit erobert Schwarz den zweiten Bauern, danach ist das Endspiel leicht gewonnen. 37.Db2 Dd4+ Mit dem Damentausch vermeidet Merkel die letzten Tricks – dass das auf Kosten der Bauernstruktur geht, ist in diesem Fall egal. 38.Dxd4 cxd4 39.Kf2?! Ld5! Fängt den Springer ein. 40.Se1 40.Sh4 Le4 macht die Lage des Schimmels nicht besser. Le4 Der Springer hat kein Feld mehr, auf dem er nicht abgetauscht wird, sobald er sich rührt. Der Läufer dominiert wunderbar die Stellung. 41.Ke2 Kf7 42.Sd3 Lxd3+ 43.Kxd3 b5 44.Kxd4 h5 45.Kc3 45.Kd5 bringt nichts wegen Ke7. d5 46.Kd4 b4 Der d5–Bauer ist so tabu, weil hernach der b-Bauer zur Dame geht. Schwarz kann deshalb in Ruhe seinen König heranführen. 47.Kd3 Kg6 48.Kd4 h4 49.gxh4 49.g4 fxg4 50.hxg4 h3 lässt den h-Bauern durchmarschieren. Kh5 50.Kd3 Kxh4 51.Kd4 Kxh3 52.Kxd5 b3 53.Kd4 1:0. Partos hatte endlich genug gesehen und gab auf.

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