Metz zum dritten Mal deutscher Meister im Chess960 / Jussupow siegt im Einzel

GM Artur Jussupow führt sein Team zum Sieg, wenngleich – nach einzelner Meinung – zu „üppig“ Foto:Chesstigers

Hartmut Metz hat zum dritten Mal in Folge im Team die deutsche Meisterschaft im Chess960 gewonnen. Im Waldbronner Kurhaus verteidigte der Kuppenheimer mit den Bad Sodener Chess Tigers den Titel. Chess960 ist eine Schach-Art, bei der die Ausgangsstellung der Figuren hinter den Bauern unter 960 Möglichkeiten ausgelost wird. Damit soll die ausufernde Schach-Eröffnungstheorie umgangen werden. Vom ersten Zug an muss sich der Spieler selbst eine Strategie ausdenken, anstatt Eröffnungsvarianten herunterzuspulen. Der Hattrick der Chess Tigers kam erst nach einem Jahr Pause zustande, weil die Meisterschaft 2015 kurzfristig abgesagt worden war. Im Einzel sammelte Metz diesmal in den sieben Runden „nur“ 4,5 Punkte. Nach einem schnellen Remis gegen seinen Freund und Chess-Tigers-Vereinskameraden Hans-Walter Schmitt in Runde drei folgten weitere Punktverluste. Einmal vermied der Kuppenheimer krampfhaft ein Remis, einmal hatte er gegen Josef Gheng eine schlechte Ausgangsstellung für Schwarz. Nach einer unpräzisen Verteidigungsidee wurde zwar bis zum Schluss nicht einmal ein Bauer geschlagen – aber Metz stand nach mehr als 25 Zügen völlig hoffnungslos und gab auf. So reichte es nur zu Platz 18 unter 81 Teilnehmern.

Dank eines herausragenden Artur Jussupow deklassierten die Chess Tigers (21) Gastgeber SC Waldbronn (15,5) um 5,5 Zähler. Dritter in der Mannschaftswertung wurden die SF Neureut, die knapp vor der OSG Baden-Baden, Ettlingen und Ebersberg-Grafing (alle 15) über die Ziellinie gingen. Jussupow remisierte nur in Runde sechs gegen GM-Kollege Vladimir Gurevich. Ansonsten überspielte der ehemalige Weltranglistendritte und WM-Kandidat die Gegner sehenswert. „2,5 Punkte von Dir hätten auch üppig gereicht“, scherzte Metz mit Blick auf den klaren Team-Sieg in Richtung Jussupow. Fast wäre es noch mehr zum „Overkill“ in Waldbronn gekommen. Zum einen fehlte diesmal Titelverteidiger Klaus Bischoff bei den Chess Tigers – und Chess960-Promotor Schmitt war nah dran, seinen Nachbarn und Freund Viswanathan Anand mitzubringen! Der indische Ex-Weltmeister hat in Bad Soden auch eine Wohnung neben Schmitt und war an dem Wochenende zugegen. Letzterer kam auch ohne den Inder trotz einer starken Leistung nicht mehr in die Mannschaftswertung der besten vier Spieler: Schmitt holte vier Punkte. IM Stefan Reschke und Daniel Körnlein (beide 5) sicherten zusammen mit Jussupow und Metz Platz eins. Insgesamt traten die Chess Tigers mit zehn Leuten an.

Im Einzel kämpfte sich der Ettlinger Jonas Rosner mit sechs Zählern und nur einer Niederlage gegen Jussupow auf Platz zwei vor. Gunnar Schnepp (SK Lauffen) wies einen halben Buchholz weniger auf und wurde Dritter vor Gurevich (Hofheim) und Außenseiter Fabian Fichter (beide 5,5). Der Spieler von Schramberg-Lauterbach sicherte sich dank seiner Zahl von nur 2005 den Ratingpreis.

Das Chess Tigers Team 2016 sitzend (v.l.n.r.):
Leo Max Deppe Punkte 3,0/7, 61.Platz / Hans-Walter Schmitt 4,0/7, 24.Platz / GM Artur Jussupow 6,5/7, 1.Platz / GM Stefan Reschke 5,0/7, 11.Platz / Dr. Daniel Körnlein 5,0/7, 12.Platz
stehend (v.l.n.r.): Marek Landkocz 2,0/7, 72.Platz / Thomas Meisegeier 2,0/7, 71.Platz / Michael Schimmer 3,0/7, 54.Platz / FM Hartmut Metz Punkte 4,5/7, 18.Platz / WFM Dr.Bergit Brendel 4,0/7, 31.Platz

Die Endstände finden sich unter: Schachclub Waldbronn
Ein Bericht und Bilder sind auch bei den Chess Tigers zu finden: