Karlsruher SF erhalten Grünes Band

Exzellente Schach-Nachwuchsarbeit mit 5 000 Euro honoriert

Malmdin – Werner: Der „Sargnagel“ auf f3 erlaubt Schwarz einen forcierten Mattangriff

Von Hartmut Metz
Nur 50 Sportvereine pro Jahr erhalten bundesweit „Das Grüne Band für vorbildliche Talentförderung im Verein“. Seit 2008 kamen lediglich zwei Schachklubs mit dem Lübecker SV von 1893 (2013) und SV Stuttgart-Wolfbusch (2010) in den Genuss. Jetzt heimsten die Karlsruher SF 1853 (KSF) zum zweiten Mal nach 1991 die inzwischen mit 5 000 Euro dotierte Auszeichnung ein. Die Karlsruher Schachfreunde engagieren sich besonders an den Schulen. Unter den rund 170 Mitgliedern befinden sich knapp 80 Jugendliche. Im Mittelpunkt der 52-seitigen Bewerbung für das „Grüne Band“ stand der inzwischen siebenjährige Tobias. Seine drei Geschwister sind auch alle im Verein aktiv: Fabian (5), Julius (9) und Marlene (11) – nicht zu vergessen, die Eltern Holger und Veronika Kiefhaber, ihres Zeichens Bundesligaspielerin und frühere WM-Teilnehmerin wie ihre Schwester Isabel Delemarre. Den Grundstein für die KSF-Erfolge legte ihr Vater Clemens Werner. Seit 1975 engagiert sich der mittlerweile pensionierte Lehrer in der Nachwuchsarbeit. Als mehrfacher badischer Meister und Pokalsieger sowie Ex-Bundesligaspieler kann er natürlich seinen Schützlingen viel beibringen.


KSF-Jugendleiterin Kristin Wodzinski

Weil auch acht der 16 Spieler des Oberliga-Kaders als Trainer fungieren, wuchs der älteste badische Klub zu einem der größten Schachvereine Deutschlands heran und stellt aktuell acht Herren-, eine Senioren- und eine
Damen-Bundesliga-Mannschaft sowie unzählige Jugendteams. Letztere waren 17 Mal seit 2010 auf deutschen Meisterschaften vertreten. Vor allem Kristin Wodzinski gilt als Motor. Die Schulschach- und Damenreferentin des Bezirks hat als Jugendtrainerin eine Gruppe mit mehr als 30 Mädchen herangezogen. Deshalb kürte die Deutsche Schachjugend sie 2014 zum „Besten Jugendleiter“. Den Förderpreis können die Karlsruher SF gut gebrauchen: „Die Teilnahme an deutschen und baden-württembergischen Meisterschaften ist stets recht kostspielig“, weiß Jugendtrainer Andreas Vinke.


Jugendtrainer Andreas Vinke

Nachstehend eine Partie des langjährigen KSF-Motors Clemens Werner, die dieser nicht im Jugendbereich spielte – sondern in der entgegengesetzten Kategorie: bei der jüngsten Senioren-WM in Italien. Fulminant griff der 69-Jährige in der Klasse über 65 seinen Gegner aus Schweden mit Schwarz an.


Deutscher Seniorenmeister 2010: FM Clemens Werner

W: Malmdin S: Werner
1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Sf6
Lf5 ist die zigfach gespielte Hauptvariante in dem Caro-Kann-Abspiel. 5.Sxf6+ gxf6 Die Bronstein-Larsen-Variante. 5…exf6 ist ebenso möglich, aber harmloser. 6.Sf3 Lg4 7.c3 Sd7 8.Le2 Dc7 9.h3 Lh5 10.Le3 e6 11.a4 „Ein übliches Verfahren: Weiß geht schon auf das Phantom des schwarzen Königs los, obwohl die lange Rochade noch gar nicht erfolgt ist“, meint Werner. f5 12.g4?! „Eine interessante Idee, die aber nach der gelassenen Antwort von Schwarz nicht greift. Wohin soll Weiß jetzt noch rochieren?“, fragt sich der Nachziehende zurecht. Lg6! fxg4? 13.Sh4! Lg6 14.hxg4 Lg7 15.Sxg6 hxg6 16.Txh8+ Lxh8 17.Dd3 0–0–0 18.0–0–0 und Weiß steht wegen des Läuferpaars etwas besser. 13.Sh4 f4 14.Ld2 0–0–0 Der vorgerückte a-Bauer allein kann keinen Schrecken verbreiten. 15.Sxg6 hxg6 16.Kf1?! Das Eingeständnis zu vieler Bauernaufmärsche kommt zu früh. Besser ist es, mit 16.Dc2 noch abzuwarten und notfalls doch lang zu rochieren, befindet Werner. e5! Die Devise lautet nun: Stellung gegen den König öffnen. 17.Dc2 Lg7 18.dxe5 Dxe5 19.Lf3 Df6 20.b4? „Malmdin träumt vom Angriff, aber Schwarz kommt zuerst“, befindet Werner. Se5 21.Le4 21.Kg2 Dg5! 22.b5 Sxf3 23.Kxf3 Dd5+ 24.De4 (24.Ke2 The8+ 25.Kf1 Dxh1 matt) Dxd2. Sc4 22.Le1 22.Lc1 erlaubt Se3+! 23.fxe3 fxe3+ 24.Kg2 Td2+! 25.Dxd2 (25.Lxd2 Df2 matt) exd2 26.Lxd2 Td8 27.Tad1 De6 28.Kf3 Db3 mit Gewinnstellung. f3 Der vielzitierte „Pfahl im Fleisch“. 23.b5

Df4! Droht Dxg4!, um nach 25.hxg4 Txh1 matt zu spielen. 24.Tg1 24.Kg1 Th4 25.Th2 Le5 macht es auch nicht schöner. Sd2+ 25.Lxd2 Txd2 26.Dc1 Oder 26.Db1 Dh2 27.De1 Dxh3+.

Dxe4 Txf2+ reicht ebenso: 27.Kxf2 Dh2+ 28.Ke3 De2+ 29.Kf4 g5+ 30.Kf5 (30.Kg3 Le5+ 31.Df4 Lxf4 matt) Dh2 31.Kxg5 De5+ 32.Lf5+ Kb8 33.Te1 Lf6 matt. 27.Dxd2 Dc4+ 0:1. Weiß gab auf wegen 28.Ke1 Lxc3 und die Dame ist weg.

Partie online:

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gepostet unter: Kolumne von Gerhard Gorges | 0 Kommentare | nach oben
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