Protest gegen glückliche Zeitüberschreitung? / Beim 4:4 in Gottmadingen endet fast keine Partie „logisch“

“Ersatzverstärkung” der “Ersten”: Michael Lorenz

Von Hartmut Metz
Ein selten dramatisches 4:4 hat die Rochade Kuppenheim im Verbandsliga-Spitzenspiel erzielt. Das Ergebnis in Gottmadingen war durchaus leistungs- gerecht – doch fast keine Partie endete mit dem „logischen Resultat“. Mit 5:3 Zählern bleibt die Schachgemeinschaft als Tabellenvierter zumindest in Reichweite der Topteams Dreiländereck (7:1) und Oberwinden (6:2), auf die der Oberliga-Absteiger noch jeweils trifft. Der nominelle Aufstiegsanwärter Gottmadingen weist lediglich 4:4 Punkte auf – sofern es beim Endresultat gegen Kuppenheim bleibt. Die Gastgeber wollten Protest einlegen. Das erste „falsche“ Ergebnis gab es am letzten Brett: Als Erster hatte Jannik Lorenz seine Partie beendet. Das größte Rochade-Talent verpasste einen Sieg über Victor-Dumitru Stolniceanu. Seine beeindruckende Bilanz baute Lorenz trotz des vierten Remis in den letzten 18 Mannschafts-Partien auf 16:2 Punkte aus. Am ehesten gingen die anschließenden Unentschieden von Hubert Schuh gegen seinen früheren Bundesliga-Kameraden beim SK Zähringen, Alfred Weindl, und Jochen Klumpp in Ordnung. Letzterer einigte sich mit Günther Jehnichen friedlich. Michael Lorenz, brachte die Rochade mit 2,5:1,5 in Front. Er verwertete gegen Stephan Fessler einen Mehrbauern, bevor sich die Dramen an den vorderen Brettern abspielten.
Velimir Kresovic hatte eine furchteinflößende Stellung gegen Thomas Ackermann erhalten und musste nur den g- und h-Bauern nach vorne stoßen. Doch der Kuppenheimer vergaloppierte sich mit einem Springer nach b5, anstatt diesen nach e2 zurückzuziehen. So bekam plötzlich der Gottmadinger Angriff und setzte sich durch. Günther Tammert verpasste gegen den Topscorer des Gegners, Wolfgang Steiger, einen hübschen Angriffssieg.

Der „Hexer von Balg“ wollte ein Qualitätsopfer auf c4 bringen, um danach mit den Läufern auf f6 und f5 voll in die entblößte lange Rochade-Stellung hineinzuleuchten. Doch dann beschloss er, erst die Dame von h5 nach e8 zurückzuziehen – und übersah, dass der Springer auf c4 den Bauern auf d6 schlagen konnte und sich alles für Weiß in Wohlgefallen auflöst. Das Endspiel mit zwei Bauern weniger verlor Tammert rasch. So hieß es plötzlich 2,5:3,5 – und Hoffnung auf Rettung bestand keine mehr! Dachten alle.

Vermeintlich hatte Hartmut Metz in Verluststellung seinen 41. Zug, Td1-d3 a tempo ausgeführt mangels Alternativen. Julian Schärer ließ sich nun etwas Zeit, nachdem er den vorherigen Zug mit noch fünf Sekunden auf der Uhr gespielt hatte. Die Ruhe nach dem Sturm nutzte Metz, um das Partieformular zu vervollständigen. Er hatte im 37. Zug den Faden in Zeitnot verloren und bei Schärer nachgeschaut, bei wie vielen Zügen dieser stand. Da es kurz zuvor einen wilden Schlagabtausch auf d5 gegeben hatte mit Bauernopfer von Weiß, dachte der Kuppenheimer, dass er einen Zug wohl nicht notiert hatte und man bereits im 38. Zug sei. Also schrieb er Sf2 in die Zeile 38. Beim Nachspielen stellte sich heraus, dass Schärer im Feld für den 20. Zug gar nichts eingetragen hatte, sondern 20.f4 Sed7 im 21. Zug notiert hatte! So fehlte ob der jungfräulichen Zeile ein Zug bei ihm! Schärer nahm den Fauxpas äußerst gelassen hin und gratulierte fair dem äußerst glücklichen Sieger und schritt später auch zur ausführlichen Analyse mit dem Kuppenheimer Glückspilz.
Gottmadingens Kapitän Steiger steigerte sich aber in die Situation hinein, warf Metz Unfairness vor und behauptete zudem, er hätte seine unvollständige Notation während der Zeitnotphase vervollständigen müssen. Immerhin kam der Kuppenheimer irgendwann auf den Trichter, darauf hinzuweisen, dass er 17 Züge länger als sein Mitspieler richtig notierte … Zudem verbat sich Metz den Vorwurf von „Unfairness“ und „Absicht“. Schärer wie Gottmadingens Weindl teilten die Ansicht des Kuppenheimers und nahmen ihn in Schutz, das sei nicht zu unterstellen. Steiger sagte seinem Spitzenspieler, er solle das Metz’sche Formular nicht unterschreiben, weil man Protest einlegen werde. Vorerst entschied der badische Turnierleiter Michael Schneider auf Sieg für Metz. Ob Gottmadingen Protest einlegt und 50 Euro dafür opfert, wird sich binnen Wochenfrist zeigen.
Die Emotionen wären bei Steiger vermutlich weniger hochgekocht, wenn Martin Leutwyler seine Gewinnstellung mit Mehrbauer gegen Joachim Kick verwertet hätte beim Stand von 3,5:3,5. Doch am Schluss opferte der Rochade-Kapitän unerwartet einen Läufer für letztlich nur einen Bauern, konnte aber dafür den h-Bauern mobilisieren. Angesichts der bald drohenden Umwandlung, die der Läufer nicht verhindern konnte, gab der Schweizer ein Dauerschach zum 4:4.

    SF Gottmadingen 2160     SGR Kuppenheim (A) 2100 4 4 4.67
1 3 Schärer,Julian 2231   2 Metz,Hartmut 2264 0 1 0.45
2 4 Weindl,Alfred 2363   3 Schuh,Hubert 2278 ½ ½ 0.62
3 5 Akermann,Thomas 2171   6 Kresovic,Velimir 2115 1 0 0.58
4 6 Steiger,Wolfgang 2272   7 Tammert,Günther 2141 1 0 0.68
5 7 Leutwyler,Martin 2167   8 Kick,Joachim 2053 ½ ½ 0.66
6 8 Jehnichen,Günther 2015   9 Klumpp,Jochen 2067 ½ ½ 0.43
7 9 Fessler,Stephan 2048   13 Lorenz,Michael 1964 0 1 0.62
8 10 Stolniceanu,Victor-Dumitru 2013   16 Lorenz,Jannik 1918 ½ ½ 0.63