Matthias Blübaum feiert größten Erfolg bei Mammut-Open in Karlsruhe

Schirow – Blübaum: Schwarz am Zug – der Rest ist Technik…

Von Hartmut Metz
Die Prinzen werden erwachsen! Und der „Kronprinz“ in deutschen Landen hat sich bereits mit 18 Jahren gekrönt: Matthias Blübaum feierte beim Grenke Chess Open in Karlsruhe seinen bisher größten Erfolg und gewann das Turnier, an dem insgesamt 965 Spieler und mehr als 200 Titelträger teilnahmen. Der Lemgoer wies wie Wladimir Fedosejew, Nikita Witiugow (beide Russland), Milos Perunovic (Serbien), Ni Hua (China) und der Spanier Francisco Vallejo Pons nach neun Runden 7,5 Punkte auf. Blübaum gewann jedoch dank der besten Buchholz-Wertung, die die erzielten Punkte der neun Gegner aufaddiert, mit 7 375 Euro den größten Batzen des Preisgelds. „Ausschlaggebend für den Turniersieg war der Punkt mit Schwarz gegen Alexej Schirow“, lässt Blübaum den Wettbewerb über Ostern Revue passieren. Bundestrainer Dorian Rogozenco traut dem Sechsten der U20-Weltrangliste weitere Fortschritte zu.
Blübaum besitze vor allem „eine eindrucksvolle schachliche Ausdauer im Training: Er kann konzentriert stundenlang arbeiten, weil seine Rechenfähigkeiten und Brettvorstellungen praktisch unverändert bleiben“. Trotzdem will der Bremer Bundesliga-Spieler ein Mathematik-Studium in Bielefeld beginnen. „Die Entscheidung, dass ich ein Studium beginne, ist schon vor längerer Zeit gefallen. Das heißt aber nicht, dass eine Profikarriere auf keinen Fall in Betracht kommt“, erläutert Blübaum den Schritt.
Der Deutsche Schachbund freut sich, dass sein Konzept der „Schach-Prinzen“ aufging. Die vier Schützlinge von Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler erreichten inzwischen durchweg Großmeister-Stärke und finden sich in der U20-Weltrangliste weit vorne: Hinter dem potenziellen neuen deutschen Schach-König Blübaum folgen Dennis Wagner, Alexander Donchenko und Rasmus Svane auf den Plätzen 13, 14 und 32.
Nachstehend das spannende Duell mit Schirow aus der achten Runde, die Blübaum den Weg ebnete.

W: Schirow S: Blübaum
1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.c3 Db6 5.Sf3 Sc6 6.a3 f6 7.b4 Beide Seiten gehen die Partie scharf an. Schirow peilt die Klärung auf c5 an, Blübaum attackiert die weiße Speerspitze auf e5. c4 In Betracht kommt überdies cxd4 8.cxd4 fxe5 9.dxe5 Sh6 10.Le3 Dc7 11.Dc2 Sf5 12.Ld3 (12.b5 Da5+ 13.Ld2 Scd4 14.Sxd4 Sxd4 15.Db2 Da4 16.Ld3 Ld7 17.0–0 mit verteilten Chancen) Sxe3 13.fxe3 Db6 14.Df2 Le7 15.0–0 0–0 16.De2 Ld7 17.Sc3 mit etwas angenehmerer Stellung für Schwarz. 8.Lf4 Sge7 9.h4 fxe5 10.dxe5 a5 11.Sbd2 axb4 12.axb4 Txa1 13.Dxa1 Sg6 14.Lg3 Dc7

15.b5!? 15.Dd1 b5 16.Le2 Le7 17.h5 Sgxe5 18.Sxe5 Sxe5 19.Sf3 Sxf3+ 20.Lxf3 Da7 21.Le5 0–0 22.h6 Lf6 23.Lxf6 Txf6 24.hxg7 Dxg7 25.Dd2 hält den schwarzen Vorteil trotz des Minusbauern in Grenzen. Scxe5 16.Sxe5 Sxe5 17.b6! Die Idee von Schirow. Der Zug zwingt die schwarze Dame in die Passivität. Db8

18.Lxc4! Die Pointe des „Hexers von Riga“. 18.Da7 gefällt nur optisch. Blübaum nimmt natürlich nicht auf a7, was den Bauern zur Dame gehen ließe, sondern zieht Ld6 mit einigem Vorteil. Ld6 19.Lb5+ Ld7 20.Lxe5 Lxe5 21.Da4 Lxb5 22.Dxb5+ Ke7 23.0–0 Dd6 Der schwarze König steht zwar etwas gefährdet, aber dafür ist der Läufer stärker. 24.c4 Tc8 25.Te1 Tc5 26.Db1!? Möglich ist ebenso 26.Db3 Lf4 27.cxd5 Dxd5 28.Dxd5 Txd5 29.Se4 Tb5 30.g3 Le5 31.Kg2 Txb6 32.Sg5 Ld4 33.Te4 e5 34.f4 Tb2+ 35.Kh3 b5 36.fxe5 Lc3 37.Sxh7 b4 38.Sg5 Tb1 39.Tc4 Lxe5 40.Te4 Kf6 41.Te3 Tc1 42.Kg4 Tc4+ 43.Kf3 Kf5 44.g4+ Kf6 (Txg4 45.Txe5+ Kxe5 46.Kxg4 b3 47.Sf3+ Kd5 48.Sd2 b2 49.Kg5 Kd4 50.Sb1 Kd3 51.Kg6 Kc2 52.Sa3+ Kb3 53.Sb1 Kc2 mit Remisschluss) 45.Te4 Txe4 46.Sxe4+ Ke6 47.Ke3 und das Endspiel endet friedlich. Lc3 27.Dxh7 Lxd2 28.Dxg7+ Kd8 29.Ta1 De7

30.De5? Der erste Fehler in der von Weiß aggressiv geführten Partie. 30.Dg8+! Kd7 31.Db8 Kc6 32.Dc8+ Kxb6 (Kd6 33.Db8+ mit Remis) 33.Tb1+ Ka7

34.Txb7+ Dxb7 35.Dxc5+ Kb8 36.cxd5 Dxd5 37.Df8+ Das kann keine Seite gewinnen. Txc4 31.g3 31.Ta8+ Kd7 32.Db8 endet im Fiasko: Tc1+ 33.Kh2 Dxh4 matt. Lc3 32.Ta8+ 32.Db8+ Tc8. Kd7 33.De2 Ld4 34.Tb8 Kc6 35.h5 35.Tc8+ Kb5 36.Tc7 Dd6 37.Kg2 (37.Txb7 Dxg3+ 38.Kf1 Dh3+ 39.Kg1 Le5 40.Tf7 Dh2+ 41.Kf1 Dh1 matt) Kxb6 38.Tf7 De5 und der weiße Angriff versandet. Kxb6 36.h6 Der h-Bauer ist die letzte weiße Hoffnung. Dc7 37.Tg8 Tc2 38.Dxe6+ Ka7 39.Dxd5 39.De8 Lxf2+ 40.Kh1 Tc6 41.Kg2 Ld4 42.Dh5 Dh7 Nun fällt der h-Bauer und Schwarz geht zum Gegenangriff über: 43.Tg4 Txh6 44.Dxd5 Th2+ 45.Kf1 Db1 matt. Lxf2+ 40.Kf1 Lb6 41.Tg7 Tf2+ 0:1. Schirow gab auf wegen 42.Ke1 Dc3+ 43.Kd1 Da1 matt.

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