Kuppenheim unterliegt Spitzenreiter Dreiländereck mit 1,5:6,5

Die Uhr war seine Mehr- figur: Günther Tammert gewinnt „auf Zeit“

Von Hartmut Metz
Die Rochade Kuppenheim muss die Meisterschaft in der südbadischen Verbandsliga abhaken. Im Spitzenspiel unterlag die Schachgemeinschaft dem SC Dreiländereck hoch mit 1,5:6,5. Mit 11:1 Punkten hat der Gast nun drei Zähler Vorsprung vor den Verfolgern. Die Rochade hielt die ersten zwei Stunden mit, es sah sogar richtig gut aus – doch dann brachen fast alle Dämme. Im Vorfeld hatte sich schon abgezeichnet, dass der Außenseiter kaum eine Chance haben wird gegen den Topfavoriten. Neben der nominellen Unterlegenheit kam noch hinzu, dass gleich zwei Asse bei Kuppenheim fehlten: Hubert Schuh fiel krank aus, und Velimir Kresovic weilte noch bis kurz nach dem entscheidenden Spieltag bei seiner Familie in Australien. Sprunghaft wie ein Känguru war auch der Spielverlauf. Plötzlich patzten mehrere Kuppenheimer: Patrick Karcher und vor allem Michael Lorenz spielten gefällig. Letzterer schien eine sehr gute Stellung gegen den starken Schweizer Philipp Ammann zu haben – doch plötzlich meinte Lorenz, er müsse mit der Dame ins feindliche Lager eindringen. Die kam dort aber nicht mehr heraus, außer durch ein Qualitätsopfer. Danach war die Lage für den Kuppenheimer hoffnungslos. Lorenz musste ebenso wie Joachim Kick seine erste Saisonniederlage quittieren. Mosko Grünberger überrannte den Rochade-Kapitän. Zudem zog Jochen Klumpp nach schlechter weißer Eröffnung gegen das große Talent Patrick Grandadam (2341) den Kürzeren. Lediglich Günther Tammert stellte an Brett drei Bernhard Lutz vor so viele Probleme, dass dieser die Zeit überschritt.
„Am Schluss stand ich etwas besser“, berichtete der „Hexer von Balg“. FM Lutz hatte zuvor positionell immer leichte Vorteile, vergaß dann aber die Zeit … Tammert gewann damit in dieser Saison bisher fünf seiner sechs Duelle!
In der Partie der beiden Zeitnot-Spezialisten Markus Merklinger und Jörg Fiedler fand der Kuppenheimer auch keinen guten Plan und wurde von dem Dreiländerecker an die Wand gespielt. Nicht besser erging es Patrick Karcher, der originelle Ideen zeigte – letztlich überzeugte jedoch Pascal Hell mehr. Eine zweite Sensation verpasste Jean-Luc Roos. Der französische IM hatte im Vorjahr den ehemaligen Weltklasse-Großmeister Vadim Milov bezwungen. Der Schweizer wetzte die Scharte diesmal durch energisches Spiel aus – auch wenn sein Bauernopfer zunächst keine durchschlagende Wirkung erzielte. Roos stand mit Mehrbauer gut, übersah aber eine Pointe des übermächtigen Gegners mit geschickten Damenmanövern. Danach ging sein König im Angriffswirbel unter.
Beim 1:6 mühte sich allein noch Hartmut Metz an Brett zwei um Resultatskosmetik. Im Französisch konnte er Noel Studer überspielen. Das Endspiel mit sehr gutem Springer gegen miserablen Läufer (bei jeweils zwei Türmen) bot wegen eines Mehrbauern exzellente Gewinnchancen. Nach fünfeinhalb Stunden entging dem Kuppenheimer FM eine Pointe. So konnte der Schweizer IM doch entwischen. Studers dritte Remisofferte nahm Metz an.

    SGR Kuppenheim 2096     SC Dreiländereck 2256 2.39
1 1 Roos,Jean-Luc 2222   1 Milov,Vadim 2580 0 1 0.10
2 2 Metz,Hartmut 2274   2 Studer,Noel 2402 ½ ½ 0.33
3 7 Tammert,Günther 2117   3 Lutz,Bernhard 2294 1 0 0.27
4 8 Klumpp,Jochen 2102   4 Grandadam,Patrik 2341 0 1 0.20
5 9 Karcher,Patrick 2074   6 Hell,Pascal 2183 0 1 0.35
6 10 Merklinger,Markus 2016   9 Fiedler,Jörg 2047 0 1 0.46
7 11 Kick,Joachim 2006   10 Grünberger,Mosko 2095 0 1 0.38
8 14 Lorenz,Michael 1956   12 Ammann,Philipp 2106 0 1 0.30