Zahlreiche Denksportler zieht es derzeit an die Open-Bretter

Xiong – Zhou: Der schwarze Bauer droht einzuziehen – was nun?

Von Hartmut Metz
Weihnachten ist für Schachspieler wie Weihnachten! Ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag können die Denksportler ihrem Hobby exzessiv frönen und Profis sich noch ein bisschen Weihnachtsgeld dazuver- dienen. So haben gestern die traditionsreichen Open in Böblingen und Erfurt mit der 31. und 24. Auflage begonnen. Heute startet in Paderborn der Schach- türken-Cup ebenso wie weitere Turniere in Frankenthal, Hamburg und Berlin. Kaum sind diese am 30. Dezember beendet, ziehen viele Teilnehmer im neuen Jahr munter weiter zum Untergrombacher Open oder zum 27. Staufer-Open, das alljährlich mehr als 300 Spieler nach Schwäbisch Gmünd lockt. Bis zu Dreikönig fechten sie dort neun Partien aus – ganz schön nervenaufreibend, sind doch jeden Tag zwei Duelle zu bewältigen, die zehn Stunden dauern können. Wem Baden oder Schwaben zu nah liegt, der kann auch nach Basel, Italien oder Neuseeland pilgern, um sich Gedanken über die besten Züge zu machen. Im Ausland gibt es für gewöhnlich deutlich mehr zu verdienen.
An den heimischen kargen Brettern sind nur 1 500 oder 2 000 Euro einzuheimsen – wohlgemerkt nur für den Sieger. Die Platzierten erhalten dann oft lediglich noch ein paar Hunderter, wenn überhaupt im dicht gedrängten Feld Geld abfällt …
International hat sich allerdings die Situation für die Großmeister merklich verbessert. In Katar wurde vor wenigen Wochen ein sechsstelliger Preisfonds ausgelobt, so dass selbst Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik antrat. Der Russe belegte aber mit dem Weltranglistenzehnten Anish Giri (Niederlande) nur den zweiten Platz mit 7:2 Punkten hinter dem Chinesen Yu Yangyi (7,5:1,5).
In Las Vegas heimste Sieger Wesley So (Philippinen) beim „Millionaire Chess Open“ im November sogar alleine 100 000 Dollar ein. Yu hatte im Spielerparadies auch wieder einen üppigen Zahltag als Dritter hinter Roy Robson (USA).
Nur Platz 38 belegte Jeffery Xiong. Der US-Amerikaner gewann in Las Vegas jedoch die Partie mit dem spektakulärsten Finale gegen den chinesischen Großmeister Jianchao Zhou.

W: Xiong S: Zhou
1.e4 c5 2.c3 Sf6 3.e5 Sd5 4.Sf3 Sc6 5.Lc4 Sb6 6.Lb3 d5 7.exd6 Dxd6 8.Sa3 a6 9.0–0 e6 10.d3 Le7 11.Le3 Sd5 12.Sc4 Dc7 13.a4 b6 14.Lg5 0–0 15.Lxe7 Sdxe7 16.Sg5 h6 17.Se4 Td8 18.a5 Sxa5 19.Sxa5 bxa5 20.Lc4 Ld7 21.Db3 Tdc8 22.Da3 a4 23.d4 Lb5 24.Lxb5 axb5 25.dxc5 Dc6 26.Sd6 Tcb8 27.Tfd1 Sd5 28.Td4 Sc7 29.h3 Sa6 30.c4 b4 31.Dg3 Dc7 32.c6 a3 33.bxa3 Sc5 34.Tg4 f5 35.Sb5 Dxg3 36.Txg3 Tc8 37.c7 Kf8 38.h4 f4 39.Tf3 g5 40.hxg5 hxg5 41.g3 e5 42.gxf4 exf4 43.Kh2 Kg7? Se6 hält das Gleichgewicht. 44.Tg1 bxa3? Th8+ 45.Th3 bxa3 46.Sxa3! Kg6 kämpft noch. 46…Txh3+? verliert dagegen rasch: 47.Kxh3 Txa3+ 48.f3! Ta8 49.Txg5+ Kf6 50.Txc5 Tc8 51.Kg4. 45.Txg5+ Kf6 46.Txc5 Th8+ 47.Kg2 Thg8+ 48.Kh3 a2

Was jetzt? 49.Txf4+ Weiß hat das Ende hier schon abgesehen und stört sich nicht daran, dass der schwarze a-Bauer unaufhaltsam zur Dame läuft. Ke7 Ke6 50.Te4+ Kf6 51.Tc6+ Kf5 52.Sd6+ Kf6 53.c8D Tgxc8 54.Sxc8+ Kg7 55.Tg4+ Kf7 und selbst wenn Weiß kein Matt fände, das der Computer in zwölf Zügen anzeigt, würde 56.Tg1 mühelos reichen, um den a-Bauern zu stoppen und mit Springer und zwei Mehrbauern leicht zu gewinnen. 50.Te4+ 50.Te5+ ist noch präziser: Kd7 51.Tf7+ Kc6 52.c8D+ Taxc8 53.Tf6+ Kb7 54.Te7+ Tc7 55.Txc7+ Ka8 56.Ta6+ Kb8 57.Tb6+ Ka8 58.Ta7 matt. Kd7 51.Td5+ 51.c8D+ Taxc8 52.Td5+ Kc6 53.Te6+ Kb7 54.Td7+ führt wieder zum Mattbild der vorherigen Variante. Kc8

52.Te7! Auf diesen schönen Zug hat sich Xiong sicher verlassen und dieser gewinnt auch. Ta6 a1D 53.Sd6 matt. 53.Sa7+! Txa7 54.Td8+ Schwarz gab auf wegen Txd8 55.cxd8D+ Kxd8 56.Txa7. 1:0.

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