Metz setzt in 23 Zügen matt / Spannendes Titelrennen bei deutscher Meisterschaft in Lübeck

Der Vertreter des Blindenschachverbandes (DBSB), Frank Schellmann, schlägt sich bisher wacker bei den Sehenden, auch wenn er nun gegen Hartmut Metz verlor.

Wenigstens das Königsgambit verfehlt seine Wirkung nicht: In einer schmissigen Partie überrannte Hartmut Metz den mehrfachen deutschen Meister der Blinden, Frank Schellmann. Der humorvolle wie sympathische Hallenser konnte einem schon leidtun. Schellmann hatte nach einer Abweichung von Weiß im fünften Zug die vorbereitete Variante nicht in Erinnerung und geriet dank einiger weißer Feinheiten in eine schwierige Stellung. Nach 20 Zügen gab es keine Rettung mehr. Metz setzte im 23. Zug mit der Dame auf e8 matt.

Mit drei Punkten hat Metz zumindest den peinlichen 26. und letzten Platz bei der deutschen Meisterschaft vermieden. Schließlich peilte er die Top Ten an. Gegen den Mayener Ralf Schön (2,5 Punkte) geht es in der Schlussrunde nun höchstens noch darum, unter die ersten 20 zu kommen.
An der Spitze geht es erstaunlich spannend zu. Hatten die Experten erwartet, dass Rasmus Svane in der achten Runde womöglich schon den Titel unter Dach und Fach bringt, musste der 19-jährige Großmeister froh sein, dass ihn sein Vereinskamerad beim Hamburger SK, Björn Bente, nicht mit Schwarz bezwingt. Der deutsche Pokalsieger ließ den Topfavoriten jedoch im Endspiel noch entwischen. „Ich hatte gedacht, das Springer-Endspiel sei gewonnen“, berichtete der bisher überzeugende Außenseiter. Dank des Remis hat Svane mit 6,5 Punkten immerhin alles noch selbst in der Hand. Allerdings muss der Lübecker Lokalmatador entweder Daniel Malek mit Schwarz schlagen, was nicht einfach werden dürfte. Schließlich ist der Zehlendorfer mit 2411 Elo die Nummer drei der Setzliste und könnte mit einem Sieg noch eine IM-Norm schaffen.

Topfavorit Rasmus Svane hat gegen seinen HSK-Vereinskameraden Björn Bente im Endspiel Glück.

Remisiert Svane und der Kreuzberger Sergej Kalinitschew bezwingt mit Schwarz Thilo Kabisch (Schmiden/Cannstatt/2309), schließt der zweite Großmeister im Feld auf. Bei jeweils sieben Punkten entscheidet der bessere Gegnerschnitt – und den besitzt Kalinitschew! Nach einem Remis gegen Letzteren in Runde acht hat der zweite badische Vertreter neben Metz noch theoretische Chancen auf die Meisterschaft: Bei einem Sieg über Bente muss Alexander Gasthofer hoffen, dass Svane verliert und Kalinitschew nicht mehr als ein Remis holt. Dann käme ein Trio auf 6,5 Zähler. Und in dem Fall ist klar, dass Gasthofer weiterhin den höchsten Gegnerschnitt aufweist, auch wenn er mit Bente (2239 Elo) den nominell schlechtesten Kontrahenten zugelost bekam.
Es bleibt also spannend ab 11 Uhr in Lübeck. Die ersten sechs Bretter werden wie gewohnt auf der Webseite des Lübecker SV von 1873 mit einer Zeitverzögerung von 15 Minuten übertragen:


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Infos und Live-Partie-Übertragungen finden sich auf der Webseite des früheren Bundesliga-Spitzenklubs Lübecker SV von 1873