Liechtensteiner Nationalspieler Ferster gewinnt Bezirkstitel

Ferster – Ahmad: Weiß lässt sich nicht zweimal bitten…

Von Hartmut Metz
Schach-Olympiade am Polarkreis im norwegischen Tromsø – mittelbadische Meisterschaft in Ottenau. Fast Brett an Brett mit Weltmeister Magnus Carlsen – nun im Duell mit Kleinmeistern bei den Bezirks- titelkämpfen. Fabian Ferster hat sich an die Extreme gewöhnt. Der Gaggenauer kämpft regelmäßig für seinen Heimatklub SK Ottenau in der fünften Liga, der Bereichsklasse – und schnuppert als Nationalspieler des kleinen Fürstentums Liechtenstein alle zwei Jahre bei der Mannschafts-WM die Luft der großen Schachwelt. Bei der Olympiade belegte seine Auswahl Rang 119 unter 177 Teams und erfüllte als Nummer 121 der Setzliste die Erwartungen. Dies galt auch für Ferster selbst, der als Spitzenspieler vier von neun Punkten holte. „Die Qualität war nicht so hoch in meinen Partien: Gute Stellungen verlor ich, schlechte gewann ich“, analysiert der 28-Jährige objektiv und ärgert sich vor allem darüber, dass er zum Auftakt den argentinischen Großmeister Sandro Mareco „überspielte und dann unterlag“.
Nach der Olympiade beendete der Murgtäler, der vor drei Jahren in Bayreuth seinen Bachelor in „Internationale Wirtschaft und Entwicklung“ abgeschlossen hat, seine Kurse an der Uni in St. Gallen. Nun steht der Umzug nach Marseille an, um seine Masterarbeit zu machen: eine statistische Analyse der Wirksamkeit verschiedener Reha-Maßnahmen zur Reintegration von Behinderten in die Arbeitswelt.
Zwischendurch fand Ferster mal wieder Zeit, ein Turnier zu spielen: Sein SK Ottenau richtete die Bezirksmeisterschaften aus. Der Lokalmatador wurde mit 4:1 Punkten souverän seiner Favoritenrolle gerecht, obwohl der Nationalspieler auch diesmal nicht mit seinen Partien zufrieden war. Der Gaggenauer Pantelis Peponis und der Muggensturmer Fadil Gashi (beide 3,5:1,5) mussten ihm dennoch den Vortritt lassen.
Sein kurzweiligster Sieg gelang Ferster gleich in Runde eins gegen seinen Vereinskameraden Momin Ahmad, der mit drei Zählern Rang vier im Schlussklassement belegte.

W: Ferster S: Ahmad
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 d6 5.c3 Ld7 6.0–0 Le7 7.Te1 0–0 8.Sbd2 Te8 9.Sf1 Lf8 10.Sg3 a6 11.La4 b5 12.Lb3 Sa5 13.Lc2 c5 14.d4 exd4 15.cxd4 Sc6?
cxd4 16.Sxd4 g6 Nimmt den Springern das Feld f5. 17.b3 Tc8 18.Lb2 Lg7 und die Stellung ist ausgeglichen. Schwarz hat allerdings die Schwäche auf d6. 16.dxc5 16.e5! ist noch stärker. dxe5 17.dxe5 Sg4 Das einzige Feld für den Rappen. 18.Sg5 g6 (Sgxe5 19.Lxh7+ Kh8 20.Dh5 Lg4 21.Dh4 Ld6 22.Le4+ Kg8 23.Dh7+ Kf8 24.Lxc6 Sxc6 25.Dh8 matt; 18…Scxe5 19.Lxh7+ Kh8 20.Lf4 Sh6 21.Lc2 Seg4 22.Dd5 Sf6 23.Sxf7+ Sxf7 24.Dxf7 Lc6 25.Ted1 De7 26.Dg6 Tad8 27.Ld2! Td7 28.Lc3+– Ted8 29.Txd7 Txd7 30.Dg5 Df7 31.Te1 Te7 32.Td1 Td7 33.Txd7 Dxd7 34.Sh5 Se4 35.Dg6 und Schwarz gehen die guten Züge aus) 19.e6 Lxe6 20.Sxe6 Dh4! (Dxd1 21.Lxd1 Txe6 22.Txe6 fxe6 23.Lxg4) 21.Sxf8 Dxh2+ 22.Kf1 Txe1+ 23.Dxe1 Txf8 24.Lf4 h5 25.f3 und Weiß bewahrt seine Mehrfigur. dxc5 Lg4! gleicht nahezu aus. 17.cxd6 Lxd6 18.Le3 Se5 19.Lb3 Tc8 20.Sxe5 Lxd1 21.Sxf7 Lxb3! (21…Dc7? 22.Taxd1 Lxg3 23.hxg3 Kf8 24.Sd6 Tcd8 25.Sxe8 Kxe8 26.Tc1+– sieht Weiß im Vorteil mit Turm, Läufer und zwei Bauern für die Dame) 22.Sxd8 Lc2 23.Sb7 Le5 24.Tac1 Sxe4 25.b3 (25.Txc2 Txc2 26.Sxe4 Lxb2=) Lb2 26.Sxe4 Lxc1 27.Sed6 La3 28.Sxc8 Txc8 Das Läuferpaar wiegt den Minusbauern in etwa auf. 17.e5! Sg4 Der Springer hat kein anderes gutes Feld. 18.Lf4?! Nur die zweitbeste Fortsetzung. 18.Sg5! nimmt wieder den Springer auf g4 ins Visier und den Schwachpunkt h7. Scxe5 19.Lxh7+ Kh8 20.Lf4 Sh6 mit analogen Varianten zur Variante einen schwarzen Zug zuvor. f6 19.Dd3 g6 20.exf6 Sxf6 Le6 21.Sg5 Dxf6 22.Txe6! Txe6 erlaubt 23.Dd7! Te7 24.Dxg4 Dxb2 25.Tc1 Se5 26.Dd1 Tae8 27.Tb1 Dd4 28.Dxd4 cxd4 29.S3e4 Tc8 30.Lb3+ Sc4 31.Sd6 Tc6 32.a4 h6 33.Sf3 Kh7 34.axb5 axb5 35.Sxb5 d3 sollte Weiß mit zwei Figuren für einen Turm gewinnen. Schwarz hat aber noch gewisse praktische Chancen. 21.Lg5 Sb4 22.Dd2? Gibt ohne Not den Läufer her. 22.Lb3+! funktioniert wegen c4 23.Lxc4+ bxc4 24.Dxc4+ Kh8 25.Txe8 Lxe8 26.Se4 Sbd5 27.Td1 Db6 (Tc8 28.Dxa6 Tc6 29.Dxc6!! Lxc6 30.Lxf6+ Dxf6 – oder Sxf6 31.Txd8 – 31.Sxf6 Sxf6 32.Se5 Lb5 und Turm plus drei Bauern reichen zum Sieg gegen zwei Figuren) 28.Txd5 Sxd5 29.Dxd5 Tc8 30.Sf6 Wegen des drohenden Matts auf g8 muss Schwarz Tc1+ 31.Lxc1 Dxf6 spielen und mit zwei Bauern weniger die Partie fortsetzen. Sxc2 23.Dxc2 Db6? Txe1+ 24.Txe1 Lc6 25.De2 Dd6 egalisiert. 26.De6+ (26.Td1=) Dxe6 27.Txe6 Lxf3 28.gxf3 mit Ausgleich. 24.Se5 Ta7? Allein c4 bietet noch Widerstand. 25.Te3 (25.Lxf6 erlaubt den Zwischenzug Lf5! 26.Sxf5 Dxf6 und beide Springer hängen. 27.Sxg6 hxg6 28.Se3) Lg7 26.Lxf6 Lf5 27.Sxf5 Dxf6 28.Sxg6 Txe3 29.fxe3 hxg6 30.Sxg7 Kxg7 31.Td1 Te8 32.Td7+ Kh6 33.Df2 Dxf2+ 34.Kxf2 Te6 könnte im Turmendspiel noch reichen. 24…Le6?? taugt wegen 25.Lxf6 nichts und 24…Lc8 ermöglicht 25.Sxg6! hxg6 26.Dxg6+ Lg7 27.Lxf6 Txe1+ 28.Txe1 Dxf6 29.Te8+ Df8 30.Sh5 Ta7 31.Sf6+ Kh8 32.Dh7 matt.

25.Sxg6! Txe1+ Lg7 ist etwas besser, aber auch chancenlos. 26.Se7+ Kh8 27.Sef5 Txe1+ 28.Txe1 Lxf5 29.Sxf5 Sg8 30.Sxg7 Txg7 31.Le3 Te7 32.Td1 Sf6 33.Lxc5. 26.Txe1 hxg6? Lg7 geht wieder nicht ganz so rasch unter. 27.Dxg6+ Lg7 28.Sh5?! 28.Te7 beendet das Duell noch kräftiger. Lf5 Sxh5 29.Dxb6. 29.Sxf6+ 1:0.

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