Von Markus Ehrlacher
In der vierten Runde der Landesliga war der SK Appenweier zu Gast bei der zweiten Mannschaft der Rochade Kuppenheim. Die erste Partie endete nach rund eineinhalb Stunden Spielzeit an Brett vier zwischen Alexander Hatz (1911) und Daniel Fischer (1954) friedlich. Alexander hatte dem Schwarzspieler zunächst einen Isolani zugefügt, nach einem Springerabtausch in eine Struktur mit hängenden Bauern abgewickelt und nach einem Läufertausch auf g7 wurde bereits nach 14 Zügen in ausgeglichener Stellung ein Remis vereinbart.
Scheuermann verpasst vierten Saisonsieg
Daniel Scheuermann (1836) hatte nach der Eröffnung mit den weißen Steinen gegen Thomas Flötzer (1698) Vorteil erlangt, der sich aber nach dem Abtausch der Leichtfiguren verflüchtigte. Das Schwerfigurenendspiel war ausgeglichen, aber nach dem Abtausch ins Bauernendspiel machte Flötzer einen Fehler, der dem Kuppenheimer die Chance zum Sieg eröffnete. Scheuermann hatte einen gedeckten Freibauern am Köngsflügel, erkannte aber leider das Motiv eines Bauerndurchbruchs am Damenflügel nicht, der ihm einen entscheidenden zweiten Freibauern verschafft hätte. Bitter für ihn, da er bisher mit drei Siegen aus drei Spielen eine perfekte Saison gespielt hat: Selbst die Schlussstellung nach 49 Zügen, als Remis vereinbart wurde, war noch für ihn gewonnen.
Drei Remis mit den schwarzen Steinen folgen
Nach knapp drei Stunden Spielzeit stand es somit 1:1 und es folgten hernach drei Remisen für mit Schwarz spielende Kuppenheimer: Günther Tammert (2105) hatte am Spitzenbrett den Anzugsvorteil von Markus Oehler (2108) mit genauem Spiel neutralisiert. Mit jeweils zwei Türmen und einem Läufer einigte man sich nach 24 Zügen in ausgeglichener Stellung auf den Friedensschluss.
Der aufgrund einer Erkältung gehandicapte Michael Lorenz (1853) spielte an Brett fünf gegen die englische Eröffnung von Dietmar Busam (1758) sehr solide. Nach einem Generalabtausch der Schwerfiguren auf der d-Linie lehnte Lorenz ein Remisangebot seines Gegners im 22. Zug ab. Nachdem ein Springerpaar getauscht wurde, konnte aber im Doppel-Läuferendspiel kein Fortschritt erzielt werden, so dass auch hier das Remis nach 34 Zügen unterschrieben wurde.
Markus Ehrlacher (1812) traf am siebten Brett auf Thomas Petersen (1824), mit dem er bereits vor 26 Jahren in den Landesligakämpfen zwischen Iffezheim und Oberkirch zweimal die Klingen gekreuzt hatte. Petersen übte mit einem Doppelfianchetto Druck auf die schwarze Stellung aus, dem Ehrlacher aber durch den Tausch zweier Leichtfiguren und der Dame standhalten konnte. Um dem bevorstehenden Minoritätsangriff zu begegnen, spielte Ehrlacher die bekannte Umgruppierung des Springers nach d6. Nach dem Abtausch des Springers wurde die von beiden Seiten fehlerfreie Partie im 28. Zug ohne Sieger beendet.
Kurz vor der Zeitkontrolle lautete so der Zwischenstand 2,5:2,5. Die Entscheidung im Mannschaftskampf musste folglich an den Brettern zwei, drei und sechs fallen: Reinald Kloska (1874) hatte nach der Eröffnung einen Bauern gewonnen und deutlichen Vorteil gegen Marius Gegg (1654). Beim Übergang ins Schwerfiguren-Endspiel konnte Kloska einen zweiten Bauern gewinnen, weshalb bei ihm die Zeichen auf Sieg standen.
Komplexes Zeitnot-Duell bei Markus Merklinger
Markus Merklinger (1984) hatte seine Partie mit Schwarz ambitioniert angelegt und ein Bauernopfer seines Gegners Timm Schneider (1898) in der Eröffnung angenommen, musste aufgrund seines Königs in der Mitte immer aufpassen und kam erst im 18. Zug zur Rochade. Die entstandene taktisch komplexe Stellung war für beide Seiten schwer zu spielen und entsprechend hatten beide Spieler einen hohen Bedenkzeitverbrauch. In der aufkommenden hochgradigen Zeitnotphase schien hier jedes Ergebnis möglich.
Schneider schlägt Klumpp sehenswert
Jochen Klumpp (2017) hatte gegen die königsindische Struktur von Dominik Schneider (1984) den üblichen Raumvorteil und stand nach der Eröffnung leicht besser. Der Vorteil verflüchtigte sich jedoch, als Klumpp den Läuferzug nach e3 mit Bauer f3 statt Bauer h3 vorbereitete, wie er nach der Partie bedauerte. Weiß versuchte auf der halboffenen d-Linie auf den rückständigen Bauern auf d6 zu drücken, litt aber darunter, dass sein Läufer und der Springer passiv standen, so dass Schwarz nach dem Öffnen der f-Linie deutlich in Vorteil kam. Besonders der schwarze Läufer auf e5 war ein Monster, da er den rückständigen d-Bauern zuverlässig deckte und zusammen mit seinem Läuferkollegen auf b7 in die weiße Königsstellung strahlte. Man muss anerkennend konstatieren, dass der Gegner seine vorteilhafte Stellung dann auch sehenswert verwertete. Nach einem Qualitätsopfer auf f3 kam der zweite Turm mit Tempo auf die f-Linie und nach einem Läuferschach auf e4 drang der Turm nach f3 ein und eroberte die weiße Dame auf e3, die kein Feld mehr zur Verfügung hatte.
Königsflucht endet im Kreuzfeuer
Am Nebenbrett spielte Markus Merklinger seit etwa dem 20. Zug nur noch mit seinem Bonus von 30 Sekunden pro Zug. Der König musste vor Schachgeboten zurück in die Brettmitte nach e8 flüchten, stand aber im Kreuzfeuer mehrerer weißer Figuren, so dass die Hoffnung bei den Kiebitzen schwand. Ein Einschlag auf e7 beendete die Partie und führte zu der 4,5:2,5-Führung für Appenweier. Reinald Kloska verwertete abschließend wengistens noch seine zwei Mehrbauern im Turmendspiel sicher, blieb aber damit der einzige Kuppenheimer Sieger des Tages.
Rochade II rutscht auf Platz vier ab
Mit 4:4 Punkten liegt die zweite Mannschaft jetzt auf dem vierten Platz. Im Spitzenspiel schlug Oberkirch die bisher verlustpunktfreien Hördener und setzte sich mit 7:1 Punkten auf den Platz an der Sonne. Dritter im dicht gedrängten Feld ist nun Appenweier mit 5:3 Zählern. Nach der ersten Saisonniederlage sollte Kuppenheim II in der fünften Runde am 1. Februar beim Gastspiel in Bühlertal Wiedergutmachung betreiben. Ein Sieg beim Tabellenachten (2:6 Punkte) wäre von Vorteil, um die letzten Saisonspiele ohne allzu großen Druck angehen zu können.
| Brett | SG Kuppenheim 2 | SK Appenweier 1 | Brettpunkte | ||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
Tammert, Günther |
2105 |
Oehler, Markus |
2108 | ½:½ |
| 2 |
Klumpp, Jochen |
2017 |
Schneider, Dominik |
1984 | 0:1 |
| 3 |
Merklinger, Markus |
1984 |
Schneider, Timm |
1898 | 0:1 |
| 4 |
Hatz, Alexander |
1911 |
Prof. Dr. Fischer, Daniel |
1954 | ½:½ |
| 5 |
Lorenz, Michael |
1853 |
Busam, Dietmar |
1758 | ½:½ |
| 6 |
Kloska, Reinald |
1874 |
Gegg, Marius |
1654 | 1:0 |
| 7 |
Ehrlacher, Markus |
1812 |
Petersen, Thomas |
1824 | ½:½ |
| 8 |
Scheuermann, Daniel |
1836 |
Flötzer, Thomas |
1698 | ½:½ |
| Gesamtergebnis | 3,5:4,5 | ||||



