Oberliga: Rochade rückt durch 4,5:3,5-Sieg auf Platz zwei vor

Die Rochade Kuppenheim hat in der Oberliga Baden einen Zittersieg gelandet: Trotz deutlicher nomineller Überlegenheit an sieben der acht Bretter konnte die Schachgemeinschaft froh sein, knapp die Oberhand behalten zu haben gegen den starken Aufsteiger. In den Duellen gab es sieben Remis. Einzig Hartmut Metz konnte an Position sieben für eine Entscheidung sorgen. Das sicherte der Rochade zwei wichtige Punkte. Weil Spitzenreiter Gottmadingen überraschend in Heitersheim unterlag, rückte Kuppenheim mit 7:3 Punkten auf Platz zwei vor.

Topscorer Hartmut Metz baut seine Bilanz auf 4/5 auf und sichert der Rochade Kuppenheim den wichtigen Sieg.

Blick geht nach oben zu Tabellenführer Walldorf

Der Klassenerhalt sollte damit in der ausgeglichenen Klasse damit fast gesichert sein, so dass der Blick nach oben gerichtet werden darf. Die Reserve aus Walldorf liegt nun an der Spitze. Mit 22,5 Brettpunkten hat sie einen mehr als die Rochade auf der Habenseite. Das direkte Duell hat der neue Tabellenzweite bereits mit 5,5:2,5 gewonnen, weshalb theoretisch Kuppenheim nicht aus eigener Kraft Meister werden kann. Allerdings sollte der Brettpunkt trotzdem aufgeholt werden können, muss doch Walldorf II noch am achten Spieltag zum Tabellendritten Gottmadingen reisen. Eine undankbare Aufgabe, wie das Rochade-Oktett weiß. Im Tabellenkeller sorgte Ladenburg für einen Paukenschlag mit dem ersten Saisonsieg: Das bisherige Schlusslicht deklassierte Freiburg-Zähringen mit 7,5:0,5! Die Breisgauer müssen nun am nächsten Spieltag gegen die Karlsruher SF II gewinnen, wollen sie die Klasse halten. Die Rochade erwartet am 8. Februar den Tabellenfünften Anderssen Bad Mergentheim II, der mit 6:4 Punkten auch noch oben mitspielt.

Jean-Luc Roos zeigt eine beachtliche Verteidigungsleistung und rettet seinem Klub den Mannschafts-Sieg.

Ehmann und Merklinger remisieren in scharfen Stellungen

Das Duell in Ketsch begann mit vier Punkteteilungen. Die ersten zwei waren glücklich für die Rochade: Thilo Ehmann spielte scharf gegen den theoretisch bewanderten Marcel Herm. Als sich Schwarz dem weißen Angriff mit der „langen Rochade entzog, hatte ich nicht viel und stand vermutlich auf Verlust“, analysierte der deutsche Pokalsieger und zog mit einer Remisofferte die Notbremse. „Herm nahm glücklicherweise an“, äußerte Ehmann. Die nominelle Überlegenheit spiegelte sich auch nicht bei Markus Merklinger gegen Simon Hinkel wider. Die weiße Attacke in dem zweischneidigen Sizilianer sah extrem gefährlich für den Nachziehenden aus. Mit präzisem Spiel konnte Merklinger aber noch gerade Materialeinbußen vermeiden und brachte ein weiteres Remis in die Rochade-Scheuer.

Metz sorgt für die 3:2-Führung

Einfacher teilten Hubert Schuh und Marlon Meier den Punkt. Keine Sorgen hatte Schuh mit Schwarz gegen Yasin-Safa Öztürk. Meier ließ ebenfalls mit Weiß gegen Martin Schrepp nichts anbrennen. Die nominelle Ketscher Nummer zwei ist sehr stark, so dass der Friedensschluss am einzigen Brett, an dem der Hausherr DWZ-Vorteile besaß für Kuppenheim in Ordnung ging. Danach gelang Hartmut Metz die 3:2-Führung für den Favoriten. Philipp Wadlinger unterlief in schwieriger Stellung ein positioneller Fehler. Hernach wurde seine Lage schwieriger. Metz strich erst einen Bauern ein und nahm anschließend einen Springer auf c7 in Beschuss. Die Kreuzfesselung kostete die Qualität. Mit Turm und Mehrbauer war es Agonie im Endspiel, dass Wadlinger noch eine Weile mit seinem Springer umherzog. Da Metz nicht in eine Springergabel tappte, kam das endgültige Aus zügig.

Kick und Weidemann machen es spannend

Der Gäste-Sieg war damit aber noch lange nicht in der Tasche! Zunächst versäumten es Joachim Kick und Jörg Weidemann, die Führung auszubauen. Kick fand gegen Julius Malsam in überlegener Stellung nicht die richtige Fortsetzung, um seinen Vorteil zu verwerten. Die Unentschieden fünf und sechs folgten. Weidemann ließ nämlich ebenso die Möglichkeit aus, auf die Siegerstraße einzubiegen. Der ehemalige Bundesligaspieler und Bezwinger von Legende Boris Spasski hatte deshalb im Turmendspiel nur einen Bauern mehr. Julius Elk verteidigte sich mit seinem aktiveren Turm und König umsichtig und wickelte gekonnt ins Remis ab.

Roos erkämpft trickreich den fehlenden halben Punkt

Blieb noch das Duell von Jean-Luc Roos. Der Internationale Meister, der zuletzt seine Deutsche Wertungszahl um mehr als 100 Zähler auf über 2200 wieder steigerte, hatte mit Florian Schrepp einen zähen Gegner. Der Ketscher erkämpfte sich einen Mehrbauern. Obwohl der schwarze König verletzlicher wirkte, ging Roos zum Gegenangriff über. Schrepp verpasste in beiderseitiger Zeitnot, in der die Uhr bis auf 18 Sekunden bei Roos im 40. Zug herunterlief, einen Damenrückzug über c6 nach g2, um den eigenen König zu schützen. Der Monarch musste deshalb ins offene Feld bis nach g4 vor. Das nutzte Roos, um den freien a-Bauern des Gegners zu beseitigen. Mit h- und g-Bauer plus jeweils Dame und Läufer gegen h-Bauer war nichts mehr zu wollen für Herm. Um dem Dauerschach auszuweichen, gab Weiß seinen Läufer für den letzten feindlichen Bauern. Doch nach dem Damentausch war klar: Roos gibt den Läufer für den g-Bauer, wonach der Randbauer das ausreichende Remis zum 4,5:3,5-Sieg verbürgt. Die sieben Remis und nur ein Sieg zum 4,5:3,5 könnte ein Novum in der Geschichte der ersten Kuppenheimer Mannschaft sein.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Brett SC Ketsch 1 SG Kuppenheim 1 Brettpunkte
1
Herm, Marcel
2205
Ehmann, Thilo
2367 ½:½
2
Schrepp, Florian
2076
Roos, Jean-Luc
2192 ½:½
3
Elk, Julius
2079
Weidemann, Jörg
2184 ½:½
4
Öztürk, Yasin-Safa
2056
Schuh, Hubert
2179 ½:½
5
Dr. Schrepp, Martin
2135
Meier, Marlon
2099 ½:½
6
Malsam, Julius
1979
Kick, Joachim
2090 ½:½
7
Wadlinger, Philipp
1897
Metz, Hartmut
2163 0:1
8
Hinkel, Simon
1873
Merklinger, Markus
1984 ½:½
  Gesamtergebnis   3,5:4,5