Rochade-Gründer begeistert sich wie sein Vater für die Fliegerei

Der Name Reinhard Kühl ist in Mittelbaden untrennbar mit der Erfolgsgeschichte der Schachgemeinschaft Rochade Kuppenheim 1979 e.V. verbunden. In den 1970er Jahren legte der ehemalige Lehrer für Deutsch und Geschichte den Grundstein für einen der bemerkenswertesten Schachvereine der Region. Was mit einer Schach-AG an der Realschule in Kuppenheim begann, entwickelte sich – auch dank seines Weggefährten Heribert Urban – zur Keimzelle der späteren Vereinsgründung.

Gemeinsam entfachten sie eine Begeisterung für das königliche Spiel, die in den 1980er Jahren zum sogenannten „Wunder an der Murg“ führte. Die von Kühl geförderten Jugendlichen wurden immer stärker, der Verein stieg mehrfach auf und erlebte eine bis heute einmalige Blütezeit im Jugendbereich. Kühl selbst war nicht nur Organisator, sondern auch ein starker Spieler: mittelbadischer Einzelmeister, Oberliga-Spitzenspieler und mehrfacher Gewinner des vereinsinternen Wanderpokals.

Zum Glück für die Rochade Kuppenheim wurde Reinhard Kühl nicht Pilot, sondern Lehrer – und gründete so 1979 die Schachgemeinschaft.

Für seine Verdienste wurde er später zum ersten Ehrenpräsidenten der Rochade ernannt.
Doch Kühl ist nicht nur Schachpionier, sondern auch Autor. Mit seinem Buch „Burdastaffel“ rückt er nun ein ganz anderes Kapitel seines Lebens in den Fokus – seine Kindheit in den 1950er Jahren und die außergewöhnliche Tätigkeit seines Vaters, die Kühl auch das Interesse an der Fliegerei einimpfte.


Ein Zeitfenster in die 50er Jahre

In „Burdastaffel“ schildert Reinhard Kühl mit beeindruckender Detailgenauigkeit seine frühen Kindheitsjahre. Im Mittelpunkt steht sein Vater Claus Kühl, der für das Offenburger Medienunternehmen Burda eine Fliegerstaffel aufbaute. Drei Kleinflugzeuge zogen damals Werbebanner über ganz Deutschland und machten Titel wie „Bild und Funk“, „Bunte Illustrierte“ und „Burda Moden“ bekannt.

Oben ist das Bild, das auf dem Buchcover thront, zu sehen. Darunter ein Foto aus der Zeit der Burda-Familie.

Eine der spektakulärsten Aktionen fand am 26. Februar 1956 auf dem zugefrorenen Titisee statt. Bei eisigen Temperaturen landeten die Flugzeuge vor rund 25.000 Zuschauern auf dem etwa 40 Zentimeter dicken Eis – ein Ereignis, das damals Menschenmassen aus ganz Baden anzog. Besonders eindrucksvoll beschreibt Kühl den Moment, als die Maschinen wieder abhoben und ihre Werbebanner über dem Schnee ausklinkten.


Fliegerei, Prominenz und außergewöhnliche Begegnungen

Das Buch ist reich an Anekdoten und historischen Details. Kühl berichtet von Flugshows, waghalsigen Manövern und prominenten Persönlichkeiten der Luftfahrt. So tritt etwa die berühmte Fliegerin Elly Beinhorn auf, die sich von einem Zuschauer zu einem Rundflug überreden ließ.

Ein Blick auf zwei Buchseiten.

Auch die legendäre Hannah Reitsch, erste deutsche Flugkapitänin und Segelflug-Weltmeisterin, war bei der Familie Kühl zu Gast. Ebenso findet sich Frieder Burda im Buch wieder, der als junger Mann bei Claus Kühl das Fliegen erlernte.
Ein weiteres Highlight ist die Landung der Burdastaffel 1958 auf der Zugspitze – ein spektakuläres Unternehmen, bei dem die Flugzeuge mit Kufen ausgerüstet wurden, um auf Schnee landen zu können. Ziel war es, die Möglichkeiten für Bergrettungseinsätze zu demonstrieren.


Erinnerungen mit persönlicher Tiefe

Neben den großen Ereignissen lebt das Buch von vielen kleinen, eindrücklichen Beobachtungen. Kühl beschreibt etwa die beruhigende Wirkung der Flugzeugmotoren auf die Menschen am Boden oder die besondere Atmosphäre bei Starts und Landungen. Historische Fotografien ergänzen die Erzählungen, darunter ein Titelbild der Zeitschrift „Bild und Funk“, auf dem seine Schwester als Kind mit einem Rehkitz zu sehen ist – ein Motiv, das später im Zusammenhang mit dem Burda-Preis „Bambi“ Bekanntheit erlangte.

An die 25.000 Schaulustige verfolgten das Spektakel, als die Burdastaffel auf dem zugefrorenen Titisee landete.

Für seine Recherchen konnte Kühl auf die detaillierten Flugbücher seines Vaters zurückgreifen, in denen sämtliche Einsätze dokumentiert sind. So entsteht ein authentisches und lebendiges Bild einer vergangenen Epoche.


Vom Fliegertraum zum Schachpionier

Dass Reinhard Kühl selbst nicht Pilot wurde, lag an gesundheitlichen Gründen – und war ein Glück für die Rochade Kuppenheim! Sie wäre womöglich nie entstanden. Doch Kühl schlug den Weg des Lehrers ein – und prägte damit die Schachlandschaft in Mittelbaden nachhaltig. Seine pädagogische Arbeit führte letztlich zur Gründung der Rochade Kuppenheim, die bis heute von seinem Engagement profitiert.


Fazit

Mit „Burdastaffel“ ist Reinhard Kühl ein facettenreiches Werk gelungen, das weit mehr ist als eine persönliche Erinnerung. Es ist ein Stück Zeitgeschichte, das die Aufbruchsstimmung der 1950er Jahre einfängt und zugleich intime Einblicke in ein außergewöhnliches Familienleben bietet.
So verbindet sich im Leben Kühls auf bemerkenswerte Weise beides: die Leidenschaft für das Fliegen – zumindest in der Erinnerung – und sein nachhaltiger Einfluss auf die Welt des Schachs.

Bestellt werden kann das Werk von Reinhard Kühl, „Burdastaffel“, Books on Demand, Hamburg 2025. 196 Seiten. ISBN: 978-3695134984, für 21.90 Euro etwa bei der Kette Thalia:
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1077239595