Sarah Hund lädt am 5. November in Ottenau zu einem Frauenschachtreffen im Alten Rathaus ein

Schach ist eine der Sportarten mit dem niedrigsten Frauenanteil innerhalb des Deutschen Sportbundes (DSB). Sarah Hund versucht dies zu ändern. Die 28-jährige Rastatterin lädt am Donnerstag, 5. November, um 18 Uhr zu einem Frauenschachtreffen im Alten Rathaus in Gaggenau-Ottenau (Friedrichstr. 72) ein. Die Wirtschaftsmathematikerin, die bei einer Versicherung als Aktuarin arbeitet, spielt nicht nur für den SK Freiburg-Zähringen in der Frauen-Bundesliga, sondern auch in der Oberliga der Männer. Zudem entstammt sie einer der berühmtesten Schach-Familien Deutschlands. Ihre Mutter Barbara Hund ist Großmeisterin und zählte einst zu den Top Ten der Welt. Mit Sarah Hund unterhielt sich Klaus Müller über die Veranstaltung im südbadischen Gaggenau-Ottenau.

Sarah Hund lädt am 5. November zum Frauenschachtreffen in Ottenau ein.

Frau Hund haben Sie sich mit dem Frauen-Schachtreffen in Ottenau am 5. November nicht eine extrem undankbare Aufgabe ausgesucht? Beim königlichen Spiel gibt es ja kaum Frauen.

Sarah Hund: Genau, das ist der Grund für die Initiative. Es hat sich aus einem Projekt des Deutschen Schachbundes (DSB) und der Deutschen Schachjugend (DSJ) entwickelt, bei dem sich der Badische Schachverband (BSV) mit regionalen Frauenschach Treffen beworben hat. Das ist von den Karlsruher Schachfreunden abgeschaut, die schon monatlich ein Treffen organisieren, und nun auch in andere Bezirke initiiert werden sollen.

Der Frauenanteil liegt unter den fast 100.000 Mitgliedern im Deutschen Schachbund bei etwa zehn Prozent, was zuletzt ein erheblicher Zuwachs ist, waren es doch früher rund sechs Prozent. Selbst Boxen hat mit 17 Prozent einen höhere Frauenquote. Woran liegt das?

Hund: Wenn man das wüsste, könnte man gezielter etwas daran machen. Ich kann es nicht nachvollziehen, da ich selbst sehr viel Spaß am Schachspiel und den versteckten Schönheiten einer Schachpartie habe. Und das möchte ich auch gerne weitergeben.

Die Mutter von Sarah Hund, Großmeisterin Barbara Hund, zählte zu ihren besten Zeiten zu den Top Ten der Welt.

Bei den Männern stellt man oft fest, dass Mathematiker und Wissenschaftler einen Hang zum Schach haben und überproportional vertreten sind. Fehlt den sprachbegabten Mädchen die Liebe zu Zahlen und abstraktem Denken?

Hund: Mir macht besonders das Knobeln am Schachspielen Spaß, und an Turnieren finde ich die Atmosphäre immer schön, wenn eventuell Hunderte Menschen da sind und es trotzdem ruhig ist, weil alle denken. Aber insgesamt gibt es natürlich viele Facetten des Spiels.

Was planen Sie in Ottenau, um bei Frauen die Begeisterung für Schach zu wecken? Und warum Ottenau? Baden-Baden ist doch das hiesiger große Schach-Mekka.

Hund: Ich hatte im Bezirk Mittelbaden geschaut, in welchen Vereinen bereits Frauen aktiv sind und habe diese angeschrieben, ob sie mir bei der Veranstaltung helfen. Der Schachklub Ottenau hatte positiv zurückgemeldet, dass wir gerne in ihr Spiellokal können. Die Gestaltung des Abends hängt dann von den Teilnehmerinnen ab. Ich denke, wir beschäftigen uns mit dem Schachspiel, ob wir die Regeln anschauen, oder spielen, analysieren oder quatschen hängt dann von der Dynamik des Abends ab.

Großvater Gerhard Hund war mit 92 Jahren noch geistig fit. Der Computerpionier war auch ein bundesweit anerkanntes Schach-Ass und bekannter Schach-Journalist. Fotos: pr

Was ist Ihr Ziel bei dieser Veranstaltung?

Hund: Mein Wunsch, dass sich Frauen hier vernetzen können und sie sehen, dass man nicht die einzige ist, wie es vielleicht in dem eigenem Verein den Anschein hat. Mein Ziel ist es aber auch, schachbegeisterte Frauen zu finden und ihnen die Möglichkeit zu geben, Spaß an dem Spiel zu haben  – ohne die Strukturen eines Vereins.

Ihr Treffen richtet sich ausdrücklich auch an Frauen, die bisher noch nie Schach gespielt haben. Worauf dürfen die sich freuen?

Hund: Gerade Neueinsteigerinnen sind mir sehr willkommen. Hier können wir natürlich die Schachregeln lernen. Was mich aber auch immer interessiert, welche Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, damit sie eine solche Veranstaltung wieder besuchen würden. Wir können aber auch eine Diskussion darüber führen, warum die Frauenquote so gering ist, und ob man versuchen sollte, dies zu ändern.

Oft gibt es ja eine hohe Hemmschwelle beim Schach: Die Grundzüge kennen viele, aber die meisten trauen sich nicht unter „Profis“. Aber man muss, wie manche glauben, kein Genie sein, um Spaß an dem Denkspiel zu haben. Was sagen Sie den Frauen?

Hund: Es geht darum, Spaß beim Schachspielen zu finden. Ich selbst knobele sehr gerne gemeinsam über schwere Aufgaben und spiele dafür nicht so viele Partien. Ich bin ein großer Freund des Breitensports und will mit Freude einem Hobby nachgehen.

Welche Wünsche und Hoffnungen verbinden Sie mit dem Treffen? Könnte daraus vielleicht ein regelmäßiger Austausch schachinteressierter Frauen in der Region entstehen?

Hund: Ich würde mich freuen, wenn neue Kontakte geknüpft werden und auch ich mehr Frauen aus der Region kennen lerne, die gerne Schach spielen. Wenn daraus ein regelmäßiges Treffen wird, wäre das natürlich perfekt.

Ihr Großvater Gerhard Hund, der vor zwei Jahren im Alter von 92 starb, aber geistig fit blieb, war auch Mathematiker, ein Computerpionier und ein exzellenter Schachspieler. Ihre Mutter Barbara Hund ist ebenso Mathematikerin, wurde Großmeisterin und stand sogar in den 80er Jahren in den Top Ten der Frauen-Weltrangliste. Ihre Tante Isabel Hund spielte in der Damen-Bundesliga. Sie sind ebenfalls sehr spielstark und gehen in der Herren-Oberliga für Freiburg-Zähringen auf Punktejagd. Haben Sie beruflich auch mit Mathematik zu tun oder führten Sie die familiären Vorbilder zum Schach?

Hund: Ich bin in vielerlei Hinsicht in die Fußstapfen meiner Vorfahren getreten, sowohl die Liebe zur Mathematik als auch die Freude am Schachspiel haben mir meine Verwandten mitgegeben.

Was meint Ihre Mutter Barbara zu Ihrem Engagement? Und kommt sie als ehemalige Top-Ten-Spielerin auch mit nach Ottenau?

Hund: Gut möglich, aber das ist noch nicht sicher.

In Georgien ist der Frauenanteil im Schach sehr hoch. Nicht nur, weil die Frauen zur Hochzeit ein Schachspiel geschenkt bekommen als Mitgift. Die ehemaligen Weltmeisterinnen Nona Gaprindaschwili und Maja Tschburdanidse sind Nationalheldinnen. Glauben Sie, dass Sie in Deutschland auch einen Boom auslösen können mit Initiativen wie in Ottenau?

Hund: Das wäre natürlich schön. Ich denke, dass es reicht kleine Brötchen zu backen. Wenn man mit einem regionalen Frauentreffen startet, stärkt man das Frauenschach zumindest im Kleinen – und das kann sich dann nur positiv auswirken.