Mit 4,5:3,5-Sieg in Ladenburg gewinnt Kuppenheim den Oberliga-Titel

Es war zwar wieder ein knappes Match – aber die große Zitterpartie blieb der Rochade Kuppenheim am letzten Spieltag der Oberliga Baden erspart. Der Spitzenreiter führte in Ladenburg mit 3,5:1,5. Zwar waren zwei Niederlagen zum Ausgleich abzusehen, aber Jörg Weidemann war sich in seinem Endspiel mit Turm und vier verbundenen Bauern gegen Turm und Springer sicher: „Verlieren werde ich sicher nicht!“ Selbst Turm und Springer gegen Turm wäre noch ein leichtes Remis, muss doch die unterlegene Partei immer nur den Springer fesseln, um das Gleichgewicht zu halten. Weil der einzige Verfolger, der SK Gottmadingen bei Anderssen Bad Mergentheim II mit 2:4 zurücklag, war klar: Der Rochade genügt ein 4:4 zur Meisterschaft. Damit ging auch laut der Webseite des Badischen Schachverbandes (BSV) der Titel als badischer Meister einher. Der rührige Webmaster Frank Schmidt gratulierte Kuppenheim entsprechend am Saisonende (https://www.badischer-schachverband.de/).

Die klare Nummer eins in der Oberliga Baden: Jörg Weidemann (sitzend, von links), Joachim Kick, Thilo Ehmann, Velimir Kresovic (stehend, hintere Reihe), Marlon Meier, Hartmut Metz, Hubert Schuh und Jochen Klumpp sicherten der Rochade die Meisterschaft in Ladenburg. Auf dem Bild fehlen Stammspieler Jean-Luc Roos, Patrick Karcher und Markus Merklinger, die ebenso Punkte zum Titel beitrugen

Weidemann lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen

Jörg Weidemann ließ sich im Endspiel auch tatsächlich nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Gekonnt trieb er seine Bauern nach vorne. Als g- und h-Bauer kurz vor der Umwandlung standen, streckte Vadim Chernov die Waffen. Der starke Internationale Meister (IM) gratulierte gewohnt fair dem Sieger. Mit dem 4,5:3,5 vergrößerte die Schachgemeinschaft den Vorsprung auf zwei Mannschaftspunkte. Dank der 15:3 Zähler setzte sich die Rochade nach dem Auftakt-4:4 bei Absteiger Freiburg-Zähringen doch vor dem einzigen Bezwinger Gottmadingen (13:5) durch. Walldorf II (12:6) folgte vor Bad Mergentheim (11:7). Ladenburg rettete sich auf Grund der besseren Brettpunkte vor den beiden Absteigern Freiburg-Zähringen (beide 6:12) und Schlusslicht Ketsch (4:14).

Jörg Weidemann macht den Titel gegen IM Vadim Chernov perfekt.

Thilo Ehmann in wilder Stellung in seinem Element

Das Match hatten Marlon Meier und Jochen Klumpp mit zwei Unentschieden eingeleitet. Akzeptable Ergebnisse, führten doch beide die schwarzen Steine. Während bei Meier das Endspiel gegen Tim Stemmler ziemlich ausgeglichen war, hätte Andreas Benend gegen Klumpp durchaus weiterkämpfen können. Doch dem Ladenburger wurde die Stellung „zu wild“. Wild ging es wie meist bei Thilo Ehmann zu. Dabei fühlt sich der deutsche Pokalsieger wie der Fisch im Wasser. Der Spitzenspieler stürmte mit g- und h-Bauer an, weshalb IM Ali Nassr aufpassen musste. In schwieriger Stellung unterlief ihm ein Fehler, der Schwarz eine Figur kostete. So brachte Ehmann die Rot-Weißen in Front.

Wirbelwind Thilo Ehmann fühlt sich wie der Fisch im Wasser, wenn es auf dem Brett wild zugeht.

Fesselndes Spiel hievt Topscorer Metz auf 7/9

Hubert Schuh stand den Aussagen seiner Kameraden nach etwas dubios. Yasha Farmani Anosheh bot jedoch einen Friedensschluss an, den Schuh akzeptierte. Hartmut Metz überraschte den stets originell agierenden Walter Blössl mit dem Trompovsky-Angriff. Der einstige starke Fernschachspieler konterte mit einem interessanten Bauernopfer. Doch danach ließ er bessere Fortsetzungen aus, was Metz zur Konsolidierung seiner Stellung mit Mehrbauer nutzte. Im Mittelspiel stellte Blössl einen zweiten Bauern ein. Den gab Metz zwar wieder her, konnte aber dadurch die schwarze Königsstellung knacken. Im Endspiel mit Turm und Läufer gegen Turm und Springer kam Schwarz nicht mehr aus der Fesselung heraus. Der Ladenburger gab daher im 40. Zug auf. Der Kuppenheimer Topscorer baute so seine Saisonbilanz auf fünf Siege und vier Remis aus.

Schwarzer Tag für Kresovic und Kick

Weniger gut lief es an den Brettern fünf und sechs. Velimir Kresovic erwischte keinen guten Tag. Letztlich machte es der sonstige Seriensieger dem erstmals zum Einsatz kommenden Stefan Neidig zu leicht. Joachim Kick fiel erneut einem taktischen Trick zum Opfer, obwohl er in der Eröffnung laut eigener Ansicht klar besser stand. Der Rochade-Kapitän versuchte noch mit zwei Springern und Dame gegen den feindlichen König zu wirbeln. In Zeitnot misslang dies allerdings. Stephan Feil parierte die Dauerschach-Drohungen und glich dank seines Mehrturms zum 3,5:3,5 für die Hausherren aus. Danach spielte nur noch Weidemann, der sich gekonnt gegen einen gefährlichen weißen Freibauern auf b6 wehrte und in das oben erwähnte Endspiel abwickelte …

Keiner „wollte aufsteigen“

„Gottmadingen wollte gar nicht aufsteigen“, mutmaßte Alexander Hatz angesichts des ausgedünnten Kaders des Tabellenzweiten in Bad Mergentheim im Whatsapp-Kanal der Rochade. „Wir aber auch nicht – so wie wir die ganze Saison spielten!“, befand Metz dazu. Um in der Oberliga Baden-Württemberg zu bestehen, muss die Rochade sich jedenfalls kräftig steigern, um eine kleine Chance auf den Klassenerhalt in der dritthöchsten deutschen Klasse zu haben!

Brett SK Ladenburg 1 SG Kuppenheim 1 Brettpunkte
1
Nassr, Ali
2298
Ehmann, Thilo
2367 0:1
2
Cernov, Vadim
2299
Weidemann, Jörg
2184 0:1
3
Farmani Anosheh, Yasha
2124
Schuh, Hubert
2179 ½:½
4
Stemmler, Tim
2023
Meier, Marlon
2099 ½:½
5
Dr. Feil, Stephan
2077
Kick, Joachim
2090 1:0
6
Neidig, Stefan
2154
Kresovic, Velimir
2079 1:0
7
Blössl, Walter
1978
Metz, Hartmut
2163 0:1
8
Benend, Andreas
1988
Klumpp, Jochen
2017 ½:½
  Gesamtergebnis   3,5:4,5