Geiger – Adler: Weiß gewinnt – anders als der SCI – die „Hängepartie“

Schachclub fühlt sich durch badisches Turniergericht verschaukelt
Von Hartmut Metz
Monatelang hat der SC Iffezheim darauf vertraut, in die fünfte Verbandsliga-Saison in Folge zu gehen. Eine Posse beim Badischen Schachverband (BSV) verhinderte dies jedoch, obwohl der Klub sportlich den Klassenerhalt geschafft hatte – dachten die Spieler. Der rührige Club aus dem Renndorf fühlt sich zwar weiterhin im Recht, scheute jedoch vor einem ordentlichen Gericht die Prozessrisiken von mehr als 5000 Euro. „Zu viel Geld für einen kleinen Verein mit 50 Mitgliedern“, erklärt Pressewart Christian Dettweiler. Zur neuen Saison treten die Iffezheimer daher zwangsweise in der Landesliga an. Die Peinlichkeiten begannen am 21. April. Der SCI ging gemeinsam mit dem SC Oberwinden über den Zielstrich: 7:11 Mann- schaftspunkte und 33:39 Brettpunkte wiesen der Tabellenachte wie -neunte nach dem letzten Spieltag auf. Die sogenannte Berliner Wertung listete Iffezheim vor Oberwinden, das damit absteigen musste. So teilte es zumindest BSV-Sportdirektor Michael Schneider vier Tage nach dem letzten Zug den Teams mit. Oberwinden legte dagegen Einspruch ein und forderte ein Entscheidungsspiel. Danach geschah – nichts.
Das Turniergericht des BSV hielt den Schlaf der Gerechten und ließ selbst eine vierwöchige Entscheidungsfrist verstreichen, die die Verbandssatzung vorsieht. Erst als der Iffezheimer Bernhard Ast deshalb dem BSV-Präsidium seinen Rücktritt von allen Verbandsämtern erklärte, kam Anfang Juni wieder Fahrt in den Fall: Der Sportdirektor setzte ein Entscheidungsspiel an. Der bis dahin vom BSV völlig übergangene SCI wollte jedoch ein nachprüfbares Urteil abwarten. „Wir hätten ein faires Verfahren akzeptiert – unabhängig davon, wie dieses ausgefallen wäre“, betont Iffezheims Vorsitzender Markus Ehrlacher.
Das Turniergericht erkannte derweil nach 52 Tagen überwiegender Untätigkeit plötzlich eine „eindeutige Sachlage“. Sportdirektor Schneider hielt die Entscheidung „inhaltlich für falsch“ und forderte die Aufhebung wegen „offensichtlicher schwerwiegender Verfahrensmängel“.
BSV-Präsident Uwe Pfenning geißelte die Turnierordnung zwar auch als „löchrig wie einen Schweizer Käse“, unterstützt aber bis heute die Entscheidung, dass Iffezheim wegen des abgesagten Stichkampfs absteigen muss. Eine von Iffezheim vorgeschlagene Aufstockung der Verbandsliga für eine Saison war keine salomonische Lösung aus Sicht des BSV. Nun gehen die enttäuschten Iffezheimer mit Groll und unverdientermaßen an die Landesliga-Bretter.
Im Duell der dritten Runde schlug Bernd Geiger den Oberwindener Heiko Adler. Iffezheim unterlag trotzdem und denkt heute noch schmerzlicher an das 3,5:4,5 zurück.

W: Geiger S: Adler
>1.f4 d5 2.Sf3 Sf6 3.g3 c5 4.Lg2 Sc6 5.d3 Dc7 6.Sc3 Lg4?! d4 7.Se4 Sxe4 8.dxe4 e5 ist besser. 7.Se5 e6?! Sxe5! scheint durchaus spielbar. 8.fxe5 Dxe5 9.Lf4 Dh5 10.Sb5 Nun verteidigt sich e5!, weil 11.Sc7+? (11.Ld2 muss stattdessen geschehen. Tc8 12.Sxa7 Td8 13.Sb5 Td7 mit Ausgleich) scheitert: Kd7 12.Sxa8 exf4 13.c4 Kc8 14.Da4 Kb8 15.Da5 Ld6 und der Springer kann nicht entrinnen. 8.Sxg4 Sxg4 9.e4 Sf6 10.exd5 exd5 11.De2+ Kd7 12.Lxd5?! 12.Lh3+ Kd8 13.0–0 Sd4 14.Df2 Dc6 15.Le3 verzichtet auf den Bauern und verspricht positionellen Vorteil. Sd4 13.Dg2 Te8+ 14.Le4 Kc8 15.0–0 Ld6 16.Le3 a6 17.Sd1 Kb8 18.c3 Se6 19.Sf2 h5 20.f5 Sf8 21.Sh3?! 21.b4! öffnet die Front am Damenflügel. S8d7 h4! 22.g4 (22.Lf4?! hxg3 23.hxg3 c4 24.Lf3 cxd3 25.Tad1 g5! 26.Lxd6 Dxd6 27.Sf2 (27.Sxg5? birgt zu große Risiken: Tg8 28.Sxf7 Dc7) g4 28.Lxb7 Te3! und Weiß kann aufgeben) Lxh2+! 23.Dxh2 Dxh2+ 24.Kxh2 Sxg4+ 25.Kh1 Sxe3 26.Tg1 g6 27.fxg6 fxg6 28.Tae1 Sf5 29.Lxf5 Txe1 30.Txe1 gxf5 31.Te5 Sd7 32.Txf5 mit Remisschluss. 22.Lf4 Se5 23.Sg5 h4 24.Tae1 hxg3 25.hxg3 Sfg4 26.Sh3 Th5 27.d4 cxd4 28.cxd4 Db6 29.Sf2 Dxd4? Sxf2 wickelt in eine ausgeglichene Stellung ab. 30.Dxf2 Sg4 31.Lxd6+ Dxd6 32.Df4 Dxf4 33.Txf4 Sf6. 30.Td1 Dc5 31.Txd6? Die Ablenkung 31.b4! gewinnt sofort: Db6 (Dxb4 hebt die Fesselung auf und kostet eine Figur: 32.Sxg4) 32.Txd6 Dxd6 33.Sxg4 f6 34.Db2 und Weiß hat alles unter Kontrolle, weshalb sich die zwei Figuren für den Turm durchsetzen werden. Th2?? Allein der Zwischenzug Sxf2! rettet den Nachziehenden. 32.Txf2 (32.Td5?? führt ins Matt durch das Doppelschach Sh3++ 33.Kh1 Sxf4+ 34.Dh2 Txh2+ 35.Kxh2 Th8 matt) Dxd6 33.Lxb7 Dd1+ 34.Tf1 Dd4+ 35.Tf2 Teh8 36.Lf3 Th1+ 37.Dxh1 Txh1+ 38.Lxh1 f6 und Weiß muss eher ums Remis fürchten als Schwarz.

32.Dxh2! Sxh2 33.Td5 Plötzlich hängen zu viele schwarze Figuren. Dc4 34.Tc1 De2 35.Txe5 Txe5 36.Lxe5+ Ka7 37.Ld4+ Kb8 38.Kxh2 Alles hat sich in Wohlgefallen aufgelöst für Geiger. Drei Figuren gelten bereits als stärker als die Dame. Mit dem weiteren Turm verfügt der Anziehende über zusätzliches Aggressionspotenzial, was rasch zur Entscheidung führt. g6 39.Kg2 Dd2 40.Td1 Dg5 41.Lb6 Schwarz gab auf. gxf5 42.Lc2 Kc8 43.Td8+ erzwingt Dxd8 44.Lxd8 Kxd8 mit zwei Figuren weniger. 1:0.

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Der Badische Schachverband äußert sich zum Fall Iffezheim. Sportdirektor Michael Schneider hat in Abstimmung mit Präsident Uwe Pfenning und dem Turniergerichtsvorsitzenden Michael Pfleger folgende Stellungnahme abgegeben – der SC Iffezheim bekommt auch noch (sofern gewünscht) die Möglichkeit zur Stellungnahme. Dann ist der Fall aber für die Webseite der Rochade Kuppenheim abgeschlossen, da die Sichtweisen des BSV, des SC Iffezheim und von Autor Hartmut Metz gewiss nicht auf einen Nenner gebracht werden können.
Antwortschreiben des SCI auf die BSV-Stellungnahme