Metz verliert bei DM weiter / Sieg beim topbesetzten Frust-Blitz

Neue Brille – fehlt allein der Durchblick: Hartmut Metz Foto: Plackmeyer

Seit der Dopingprobe geht nichts mehr! Gegen Christoph Schröder kassierte Hartmut Metz seine dritte Niederlage in Folge. Damit weist die Bilanz des Kuppenheimers nach seinem Auftaktsieg 1:5 Punkte auf – so schlecht spielte der FM noch nie. Vor der siebten Runde bei der deutschen Meisterschaft in Lübeck änderte Metz natürlich einiges. Auf eine ausufernde Vorbereitung verzichtete er, stattdessen besuchte er eine Ausstellung von Caspar David Friedrich und das Willy-Brandt-Haus. Doch wie einer der vier deutschen Träger des Friedensnobelpreises spielte er auch wieder: Gutmütig, verständnisvoll und freundlich zum Gegner, der wieder ausnutzen durfte, dass der Metz’sche Slawisch-Läufer unbedingt raus wollte …
Der Eppendorfer Schröder (Elo 2193) folgte einer Variante von Wladimir Kramnik, die Schwarz auch am Brett fand und dabei ein Damenopfer für Turm, Läufer und Bauer zuließ. Das war für Weiß einfacher zu spielen. Bis zum 16. Zug spielte der Kuppenheimer wie Boris Gelfand – investierte aber dafür auch schon wieder fast alle Bedenkzeit. Prompt kam im 23. Zug der Patzer, der sofort die Partie einstellte. Es half folglich auch nichts, dass Metz erstmals in Lübeck mit Brille antrat:
Der Durchblick blieb erneut aus, mehr schien alles wie durch einen Nebel sichtbar. Ob nun in Runde acht gegen Frank Schellmann die Nebelscheinwerfer zum Einsatz kommen, ist noch ungeklärt. Helfen werden sie vermutlich auch nichts mehr – und dem sympathischen Schellmann wäre es sogar egal. Er ist Vertreter der Blindenschachsportler. Der Spieler von Einheit Halle weist ebenfalls zwei Punkte auf. Nur der Pfälzer Ralf Schön (Mendig-Mayen) liegt mit 1,5 Zählern noch dahinter.

Sergej Kalinitschew (links) und Daniel Malek liefern sich einen langen Kampf über 78 Züge, nach dem alles bis auf die nackten Könige vom Brett verschwindet.

An der Spitze liegt nun Rasmus Svane (Hamburger SK) alleine vorne. Der Lübecker bezwang Florian Fuchs (Reichenbrand) und verbesserte sich auf sechs Punkte. Sergej Kalinitschew remisierte im Duell ehemaliger Metz-Gegner nach langem Kampf gegen Daniel Malek (beide Berlin). Der Großmeister kommt nun auf 5,5 Punkte, Malek liegt bei 4,5. Der zweite badische Vertreter, Alexander Gasthofer (Anderssen Bad Mergentheim), überzeugte einmal mehr und ist alleiniger Dritter mit fünf Zählern.
Einziger kleiner Triumph für Metz: Er setzte sich beim abendllichen „Frust-Blitzen“ durch. Sein Dauerrivale Thilo Kabisch (Schmiden/Cannstatt) machte auch mit, obwohl er mit 4,5 Punkten auch gut im Rennen liegt. Beim Fünfer-Turnier belegte der Württemberger aber trotz seiner zähen Verteidigungskünste nur den letzten Platz. Frank Schwarz, Matthias Tonndorf und Hendrik Möller lagen zwischen dem „Badener“ und „Schwaben“. Bei dem topbesetzten Blitzturnier – da waren sich alle Teilnehmer einig – fehlte eigentlich nur Hikaru Nakamura …


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Infos und Live-Partie-Übertragungen finden sich auf der Webseite des früheren Bundesliga-Spitzenklubs Lübecker SV von 1873