Shogi-Champion Habu die letzte Computer-Bastion

Rechner spielen nach Schach nun auch Go stärker als Menschen

Habu – Merkesvik: Weiß setzt matt in drei – ohne gegnerische Racheschachs

Von Hartmut Metz
Lee Sedol schüttete Asche auf sein Haupt und entschuldigte sich bei seinen Fans: „Ich war machtlos“, gestand der Go-Meister, nachdem er auch das dritte Match gegen die Google-Software AlphaGo verlor. Der Südkoreaner konnte wenigstens die vierte Partie gegen das Programm gewinnen, unterlag aber in Seoul letztlich mit 1:4. Das Preisgeld von einer Million Dollar spendeten die Programmierer der Maschine, die gegen sich selbst spielen kann und so lernt. Nachdem Schach bereits durch „Deep Blue“ 1997 entzaubert worden war – der IBM-Rechner schlug den Weltranglistenersten Garri Kasparow mit 3,5:2,5 –, schien Go noch zu komplex für Computer. Die Regeln des ursprünglich aus China stammenden Go gelten zwar als relativ einfach, erfordern aber eine hohe Rechenkapazität: Zwei Spieler versuchen, auf einem Spielbrett mit einem Raster von 19 vertikalen und 19 horizontalen Linien Gebiete zu erobern. Dabei setzen beide Parteien abwechselnd schwarze und weiße Steine. Auf dem Brett mit 361 Feldern entsteht somit eine gewaltige Zahl von Zügen, die selbst für leistungsstarke Computer eine Herausforderung darstellen. Lee Sedol hatte nicht daran geglaubt, dass er unterliegen könnte …
Der 33-Jährige irrte genauso wie Kasparow anno 1997. AlphaGo wurde danach vom Go-Verband auf eine Stufe mit Sedol gehoben und bekam den neunten Dan verliehen. Diese grenze „nahezu an Göttlichkeit“, hieß es beim Go-Verband. Unter den bekanntesten und beliebtesten Denkspielen bleibt nun nur Shogi, bei dem die Menschheit dem Elektronenhirn noch überlegen ist.


Der Japaner Yoshiharu Habu ist nicht nur der beste Shogi-Meister aller Zeiten, sondern auch ein starker Schachspieler

Der Computer beherrscht die japanische Art des Schachs lange nicht so wie die abendländische Variante. „Mit einer guten Anti-Computer-Taktik kann man die Engines im Shogi immer noch schlagen. Sie machen zuweilen verblüffende Züge – aber auch dicke Schnitzer!“, stellt Yoshiharu Habu fest.
Der 20-fache Spieler des Jahres in Japan hält nahezu alle Rekorde im Shogi: Bereits mit 14 Jahren stieg das Wunderkind aus Tokorazawa 1985 in den erlauchten Kreis der Profis mit mindestens dem vierten Dan auf. Mit 19 gewann Habu sein erstes Grand-Slam-Turnier und hält seit einem Vierteljahrhundert immer mindestens einen Titel in Händen! Vor allem gewann der 45-Jährige als bisher einziges Shogi-Ass Mitte der 90er Jahre alle sieben Major-Wettbewerbe in Folge! Aktuell hält der Ausnahmekönner „vier Titel“. Inzwischen steht seine einsame Bestleistung bei 93 Turniersiegen. „Obwohl es im Shogi wie im Schach ist, dass man seine besten Jahre zwischen 20 und 30 hat und mit 40 abbaut“, wie Habu befindet, räumt er immer noch jedes Jahr um die 100 Millionen Yen Preisgeld (rund 900.000 Euro) ab.
Ganz einfach wird es für Habu auch nicht mehr gegen Rechner: „Bei Mattproblemen, sogenannten Tsume Shogi, sind sie mittlerweile stärker. Vor fünf Jahren bezwang ein Programm erstmals einen Profi. Derzeit holen sie so um die 50 Prozent der Punkte“, berichtet die größte Legende unter den rund zehn Millionen japanischen Shogi-Spielern.
Habu beherrscht auch das westliche Schach unglaublich gut. Er hält als FIDE-Meister den dritthöchsten Titel des Schach-Weltverbandes. Das enorme Talent belegt der Fakt, dass der freundliche Star ohne Allüren erst mit 25 Jahren die westliche Variante erlernte! Die Gefahr, dass Habu beide Denkspiele bei seinen Einsätzen verwechselt und ihn jeweils ablenken, sieht der Vater zweier Töchter nicht. „Ich darf nur nicht an einem Tag beides spielen“, stellt er fest. Shogi sei taktischer und habe keine Phasen mit „ruhigen Zügen“, vergleicht er.
Nachstehend eine gelungene Angriffspartie vom Rilton-Cup 2015 in Stockholm. Habu überrollte den Norweger Sondre Merkesvik.

W: Habu S: Merkesvik
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 0–0 8.Dd2 Sc6 9.g4 Da5 10.h4 h5 11.Sb3 Dd8 12.gxh5
12.g5 ist die Alternative. Sxh5 13.0–0–0 In der aggressiven Drachenvariante versuchen beide Seiten einen Königsangriff einzuleiten. Schwarz muss sich dabei aber meist erst präzise verteidigen, bevor es nach vorne geht. a6 14.Tg1 Le6? Das spielt dem Gegner in die Karten, der ohnehin f4 nebst f5 spielen will. Se5 ist zäher. 15.Le2 Le6 16.f4 Sc4 17.Lxc4 Lxc4 18.f5 stellt Schwarz allerdings auch vor Probleme. 15.f4 Lxb3? Danach steht der weiße König völlig sicher, und Weiß spielt auf ein Tor. b5 16.f5 Lc4 17.Lxc4 bxc4 18.Sd4 Se5 19.fxg6 fxg6 20.Se6 Dd7 21.Sxf8 Txf8 hält den Laden zusammen, letztlich wird sich die Mehrqualität aber durchsetzen. 16.cxb3 b5 17.Kb1 b4 18.Sd5 a5 19.Le2 a4 20.bxa4 Txa4 21.Lxh5 Da5 gxh5 22.Dg2 nebst Matt auf g7. 22.Tg5! Droht Damengewinn. e5 Txa2? 23.Sxe7+ Sxe7 24.Txa5. 23.b3 Ta3 24.Lb6 Da8 25.f5 Habu schließt die lange Diagonale des Läufers auf g7, so dass auch keine Tricks nach der Öffnung gehen mit Txb3+ und Da1. Kh8 26.f6 26.fxg6 fxg6 27.Txg6 genügt auch. Lh6 27.Lxg6 fxg6

28.Th5! Der gewiefte Taktiker macht kurzen Prozess. gxh5 29.Dxh6+ Kg8 30.Dg7 matt.

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gepostet unter: Kolumne von Gerhard Gorges | 0 Kommentare | nach oben
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