Die Rochade Kuppenheim hat als Meister der Oberliga Baden den Sprung in die Baden-Württemberg-Liga (BWL) geschafft. Vieles muss also richtig gelaufen sein für die Schachgemeinschaft! Die Aufstellung war so auf jeden Fall gut aus Rochade-Sicht. Aber trotzdem lief nicht immer alles nach Wunsch. Einige Male musste das Glück – oder nennen wir es der Kampfgeist – herhalten, um einige Duelle im Sinne der Kuppenheimer zu drehen. Dabei kann man festhalten: In den entscheidenden Momenten war Velimir Kresovic der „Djoker“, wie hier in Anlehnung an seinen serbischen Lieblings-Tennisspieler Novak Djokovic geschrieben wird. Er sorgte für die wichtigen Punkte, wenn sie dringend gebraucht werden.
Der Kuppenheimer „Djoker“ biegt mit manchem Ass in bedrängter Stellung jedes Match um: Rochade-Meistermacher Velimir Kresovic.
Nachstehend die Resultate der eingesetzten Rochade-Cracks, die vom „Fiesen Meister“, wie ein Bekannter den FIDE-Meister Hartmut Metz bevorzugt nennt, kommentiert werden. Wie der Spitzname soll auch die Einordnung mit einem Augenzwinkern erfolgen.
1. Brett: Thilo Ehmann Punkte: 5/8 DWZ-Performance: 2349
Einmal mehr ist der sechsfache badische Pokalsieger der herausragende Spitzenspieler. Einmal fehlte Ehmann – schon setzte es die einzige Saisonniederlage gegen Verfolger Gottmadingen. In der vergangenen Saison musste das Rochade-Aushängeschild ausnahmsweise eine Niederlage gegen IM Rolf Schlindwein quittieren. Mit drei Siegen und vier Remis überzeugte Ehmann dennoch einmal mehr und wies die beste Performance aller Kuppenheimer auf. Ohne die einzige Niederlage hätte der ehemalige deutsche Pokalsieger wiederum eine herausragende Saison gespielt.
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Einfach mal Philidors Philosophie beherzigen, die da lautet: Die Bauern sind die Seele des Spielers! Würde Ehmann seine Bauern gelegentlich im Zaum halten und nicht mutig oder auch mutwillig nach vorne werfen, wäre er noch stärker – oder auch nicht …
2. Brett: Jean-Luc Roos Punkte: 2,5/8 DWZ-Performance: 2078
Als humorvoller Philosoph im Team unersetzlich in der Mannschaft. Roos spielte eine schwache Saison, weil er oft zu optimistisch agierte, anstatt auch mal mit einem Remis gegen nominell stärkere Gegner zufrieden zu sein. Das führte zu fünf Punkteteilungen und drei Niederlagen.
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Nur gegen alte Leute über 65 Jahre so mutig und offensiv spielen! Dann klappt es beim baden-württembergischen Ü65-Meister auch mit den starken Ergebnissen wie bei Senioren-Weltmeisterschaften und anderen Senioren-Turnieren …
3. Brett: Jörg Weidemann Punkte: 4,5/9 DWZ-Performance: 2162
Der ehemalige Bundesligaspieler verstärkte das Team wesentlich. Am dritten Brett überzeugte er mit 50 Prozent. Vor allem sein Sieg über IM Vadim Cernov war stark und sicherte den knappen Schlussrunden-Sieg über Ladenburg. Hielt an vorderer Front die „Kasse“, so dass der Rest der Kameraden weiter hinten auflaufen konnte.
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Darf so weitermachen und auch in der BWL 50 Prozent weit vorne holen.
4. Brett: Hubert Schuh Punkte: 6/8 DWZ-Performance: 2302
Der einstige süddeutsche Meister beendete gottlob seine Serie an häufigen wie schnellen Remis. Der erste Sieg war zwar kampflos, aber nach drei Unentschieden zeigte Schuh sein Potenzial mit drei Siegen in Folge. So baute er am vierten Brett seine Bilanz auf sehr gute 6/8 aus. Die Performance von 2302 zeigt, dass der FM noch immer stark ist. Er muss nur spielen wollen …
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Wenn alle Welt so friedfertig und ruhig wäre wie Hubert Schuh, gäbe es keine Kriege, sondern nur Friede, Freude, Eierkuchen! Aber am Brett sollte das Ass darauf verzichten – Schuh ist auch nicht zu schlagen, wenn er wagemutig länger spielt. Daher bitte so weitermachen!
5. Brett: Marlon Meier Punkte: 5,5/9 DWZ-Performance: 2197
Marlon Meier zeigte sein enormes Potenzial mit exzellenten 5,5/9. Mit der Performance von fast 2200 DWZ hievte sich das Talent über die zum Ziel gesetzten Marke von 2100. Der junge Kuppenheimer bewies mehrfach zähe Verteidigungskunst. Dürfte auch in der BWL zu den Aktivposten seines Teams zählen.
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Auch zwei Liter Mineralwasser statt sechs Liter können reichen, um während eine Partie nicht zu verdursten! Aber wenn es verhindert, dass er in der Punkte-Wüste endet, soll er weiter die hiesigen Mineralwasser-Abfüller reich machen …
6. Brett: Joachim Kick Punkte: 3/8 DWZ-Performance: 1947
Der Kapitän spielte so schlecht wie noch nie. Die exzellente Vorbereitung brachte dem Eröffnungs-Guru nicht die erhofften üblichen Vorteile. So sammelte der frühe Topscorer nur drei Zähler in acht Partien.
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Eröffnungstheorie ist viel – aber nicht alles. Mit Taktikübungen und Endspielbüchern könnte sich Joachim Kick zu alten Höhen aufschwingen.
7. Brett: Velimir Kresovic Punkte: 4,5/7 DWZ-Performance: 2124
Der entscheidende „Djoker“ im Kampf um den Titel! Wenn es eng wurde in den Mannschaftskämpfen, kämpfte der Serbe wie ein Löwe und machte das schier Unmögliche möglich! Ohne ihn wären die knappen 4,5:3,5-Siege ausgeblieben. Bewundernswert wie Velimir Kresovic selbst in vermeintlich kaum zu gewinnenden Positionen stets scharf auf Gewinn spielt!
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Ein Vorbild, was Einsatzwillen und Kampfgeist anlangt! Wenn er jetzt noch ohne Damen spielen könnte, wäre es gut für das Nervenkostüm seiner Vereinskameraden. Die Fans setzen darauf, dass der „Djoker“ auch in der BWL sticht. Für ihn wäre das wie ein „Grand-Slam-Triumph“ für Novak Djokovic im Tennis.
8. Brett: Hartmut Metz Punkte: 7/9 DWZ-Performance: 2175
Die Bilanz sieht mit fünf Siegen und vier Remis beeindruckend aus. Der Rochade hat die Punktausbeute auch sicher geholfen im Kampf um den Titel. Indes waren alle Gegner nominell klar schlechter. Außerdem konnte er auf Grund des Fehlens von Spielern vor ihm sieben Mal mit Weiß antreten. Insofern hätten da auch ein, zwei halbe Zähler mehr kommen sollen. Metz half auch der Ruf alter Tage. Aus Respekt nahmen die Konkurrenten meist gerne das angebotene Remis an.
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Ein Vorbild, was den Einsatz von geschickten Remisofferten in dubiosen Stellungen anlangt. Lebt von seinem alten Ruf! Jean-Luc Roos könnte diesbezüglich in die Lehre beim „Fiesen Meister“ gehen, um auch mal Friedensangebote als taktische Waffe einzustreuen.
Ergänzungsspieler
6. Brett: Patrick Karcher Punkte: 1/1 DWZ-Performance: unendlich
Patrick Karcher kam nur einmal zum Einsatz und gewann prompt bei Vizemeister Gottmadingen gegen Michael Jähn, der eine DWZ von 2051 aufwies. Das zeigt: Mit dem in der Schweiz arbeitenden Ass wäre das Team noch besser aufgestellt!
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Der Wahl-Schweizer sollte nicht nur bei der Rochade spielen, wenn beim Gegner viele Schweizer auflaufen und er sich so vom Slang „heimisch“ fühlt!
8. Brett: Jochen Klumpp Punkte: 1,5/3 DWZ-Performance: 1911
Mit 50 Prozent gelang Jochen Klumpp am achten Brett eine ausgeglichene Bilanz. Bei seinem einzigen Sieg bei Freiburg-Zähringen verhinderte er so, dass die Rochade einen totalen Fehlstart in die Saison hinlegte und wenigstens 4:4 spielte. Dennoch kann der frühere Topscorer nicht zufrieden sein. Klumpp hätte früher die meisten Gegner auf der letzten Position vom Brett gefegt.
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Zeit, dass der einstige Angstgegner des „Fiesen Meisters“ wieder zu genau diesem wird!
8. Brett: Markus Merklinger Punkte: 1/2 DWZ-Performance: 1888
Markus Merklinger trug mit zwei Remis und 50 Prozent ebenfalls zur Meisterschaft bei. Allerdings waren beide Kontrahenten nominell schlechter als der Kuppenheimer, was die Performance belegt.
Die Meinung des „Fiesen Meisters“: Auch wie bei Klumpp ist es Zeit, das Thema „Zeit“ anzusprechen. Die Zeiteinteilung bei Markus Merklinger war katastrophal. Das strapaziert die Nerven seiner Mannschaftskameraden – und reduziert auch die Chancen von ihm selbst, mehr als ein Remis zu holen. Als gewitzter Anwalt weiß er schließlich: Schnelle Urteile sparen Zeit und Nerven, auch im Schach!












