Kulturelles Schachmagazin stellt Kuppenheimer Kolumnisten vor

Hartmut Metz am Grab von Bobby Fischer in Selfoss bei Reykjavik

Die Liste der Publikationen, in denen Hartmut Metz über Schach berichtet hat, ist ellenlang: Sie reicht von zig Tageszeitungen im In- und Ausland, von Magazinen wie „Stern“ bis „Sport-Bild“, mehreren Büchern bis hin zu zahlreichen Schachzeitschriften in einem halben Dutzend Ländern. Nun ist selbst ein Artikel über den Zeitungsredakteur des Badischen Tagblatts in Baden-Baden verfasst worden: Das kulturelle Schachmagazin „Karl“ widmete dem Kuppenheimer gleich sechs seiner 68 Seiten. Der „Karl“ besticht vierteljährlich mit seinen Themen-Schwerpunkten, die stets Interessantes zutage fördern. Das können monothematische Hefte sein, die sich mit einzelnen Spielern beschäftigen wie Rubinstein, Nimzowitsch, Fischer, Uhlmann oder Unzicker. Stets präsentiert das Blatt von Harry Schaack dabei auch neue Blickwinkel oder Vergessenes.
Spannend sind außerdem Magazine über das „Remis“, „Schach und Kunst“ bzw. „Schach und Musik“, über die Dortmunder Schachtage, Hastings oder Frauenschach. Viele Hefte des „Karl“ – der so heißt, weil er aus der Vereinszeitschrift des rührigen Zweitligisten Schöneck hervorging – können noch nachbestellt werden.
Nun könnte man annehmen, dass das Heft 2/2015 das Thema „Journalismus“ in den Mittelpunkt rückt. Denkbar wäre auch der Überpunkt „Betrug“ – das Heft gab es allerdings bereits. Als Aufklärer des berühmten Falls Allwermanns, quasi der Mutter aller Computer-Betrüger, wäre Metz auch noch vorzeigbar. Doch nun findet sich der Kuppenheimer Schachspieler ausgerechnet im Schwerpunkt „Die Geschichte der Schachtheorie“. Diese ist zwar alles andere als seine Paradedisziplin (sondern eher sein Schwachpunkt) – aber immerhin gibt es eine Königsgambit-Variante, die seit mehreren Fernschach-Turnieren nach ihm benannt ist: der Metz-Angriff, der nach den Zügen 1.e4 e5 2.f4 d5 3.exd5 c6 4.De2!? entsteht.


Einer seiner größten Erfolge: Hartmut Metz bezwingt Legende Viktor Kortschnoi.

Autor Johannes Fischer stellt in seinem Porträt die sehenswerte Stammpartie des Systems, Metz – Schlenker, vor (siehe Partie). Doch auch wenn fünf weitere schöne Siege über starke Kontrahenten (unter anderem gegen Legende Viktor Kortschnoi) den Beitrag schmücken, konzentriert sich Fischer natürlich vor allem auf die journalistische Arbeit des gebürtigen Aalen-Ebnaters, der erst mit 16 Jahren beim Rössl Muggensturm mit Schach begann. Wohl beeindruckt von dem äußerst spät entdeckten Hobby titelte der belesene „Karl“-Autor und Chessbase-Kolumnist „Ich weiß gar nicht, warum ich gut geworden bin“. Für Insider interessant dürfte sein, wie Metz als Pressechef stets versucht hat, mit Prominenten die Frankfurt Chess Classic und Chess Classic Mainz zu puschen. Im Zusammenspiel mit dem kongenialen Organisator und Freund Hans-Walter Schmitt, mit dem sich Metz perfekt ergänzte, gelang mancher Medien-Coup dank Model-Star Carmen Kass, Fußballtrainer Felix Magath oder Fanta-Vier-Sänger Smudo. Nur Patrick Süskind konnte Metz nicht anlocken – hat aber dafür nun ein Kleinod daheim an der Wand hängen …
Mehr dazu und wie Metz die Schach-WM zwischen Wladimir Kramnik und Peter Leko „rettete“, steht im neuen „Karl“. Die ersten zwei Seiten stellte Chefredakteur Schaack als Leseprobe zur Verfügung. Das kulturelle Magazin bietet zudem noch zahlreiche besondere Artikel über die „Frühgeschichte des Königsgambits“ oder den Beitrag des stets brillanten Schach-Historikers Michael Negele, der sich mit den frühen Theoretikern wie Alexandre, Bilguer und Jaenisch befasst. Das Magazin, das 2014 den „Deutschen Schachpreis“ verliehen bekam, kostet sechs Euro.
www.karlonline.org