Gerhard Gorges feierte gestern seinen 70. Geburtstag. Der Nachfolger der Webmaster Robert Miklos und Reinald Kloska sorgt seit mehr als zwei Jahrzehnten dafür, dass die Rochade Kuppenheim eine der am stärksten frequentierten Schach-Vereins-Webseiten besitzt und für den Klub wirbt (siehe auch den Artikel zu seinem Geburtstag). Vor dem Jubeltag beantwortete der umtriebige Webmaster ein paar Fragen, die ihm sein Vereinskamerad Hartmut Metz stellte.
Gerhard, wie bist Du überhaupt dazu gekommen, als Webmaster anzufangen?
Schon Mitte der Neunziger experimentierte ich mit dem Netscape-Composer mit der Erstellung von Webseiten. Nebenbei habe ich den Badischen Schachverband bei Wikipedia angelegt und mit ersten Informationen „gefüttert“. Die erste Webseite aus meiner Feder war die meines damaligen Vereins SC Weitenung, die nach Bühlertal die zweite Vereinshomepage im Schachbezirk darstellte und schnell überregional – links und rechts des Rheins – Bekanntheit erlangte, außerdem lobend in der Europa-Rochade hervorgehoben wurde. Ebenfalls grenzüberschreitendes Renommee (très informé et achalandé) erlangte die von Robert Miklos in Anspielung auf eine Hamburger Softwareschmiede „MiBase“ getaufte Mittelbadische Bezirkshomepage.
Auf Einladung von Vereinsmitglied Bernhard Peter (rechts), verlegte der SC Weitenung das Schachtraining auf dessen Anwesen am Hummelnsee in Schweden
Über 1,5 Millionen Besucher im Jahr!
Es folgte ein Wechsel zur heutigen OSG Baden-Baden, deren Homepage ich vier Jahre lang betreute. Nach siebenjähriger Rückkehr zum Stammverein, reizte mich der Webauftritt der Rochade Kuppenheim, der nach starkem Beginn nach einem „Facelifting“ verlangte. Dank stets aktueller Berichterstattung durch ein Autorenteam, allen voran Frontmann Hartmut Metz, wuchs das Projekt vorrübergehend auf mehr als vom Provider gemessene 1,5 Millionen Besucher im Jahr.
Überspitzt gesagt ist die „Heimatseite“ das „zweite Wunder an der Murg“ (lacht angesichts des Vergleichs mit den sportlichen Erfolgen der Rochade in den Gründerjahren). Mit dem Aufstieg des Amateurvereins in die Oberliga Baden-Württemberg folgt aktuell das „Wunder Nummer drei“.
Ja, neben den sportlichen Wundertaten verblüffen mich stets die enormen Reichweiten, die unsere Vereinspage erzielt. Jedenfalls hast Du Dich schnell ins Thema reingefuchst und Expertise erlangt – was auch natürlich dazu führt, dass man gerne als Könner in mehrere Projekte eingebunden wird.
Round about 20 Webseiten, darunter sieben oder acht von Schachvereinen des Bezirks Mittelbaden, nicht zu vergessen die Tischtennis-Webseite des TTC Muggensturm, bei der Du ja lange Präsident warst. Nicht gezählt sind kurzlebige Seiten wie die Olympiaqualifikation des Badischen Schachverbandes für die Schacholympiade 2008 in Dresden oder der Bodenseecup 2007 mit Partienliveübertragung zwischen der Schweiz, Bayern, Baden und Württemberg.
Das sind beeindruckende Zahlen und Einsätze! Du bist ja auch Schiedsrichter und warst erfolgreicher Fernschachspieler. Webseiten zu unterhalten und zu bauen, macht Dir aber mehr Spaß?
Meine „Schiedsrichterlaufbahn“ in der Oberliga habe ich nach acht Jahren an den Nagel gehängt, ebensolang dauerte das Schiri-Engagement bei der badischen Endrunde der Senioren-Mannschaftsmeisterschaft. Auch acht Einsätze gab es bei der zuletzt als Schachtennis-Weltmeisterschaft in Baden-Baden titulierten neuen „Trendsportart“.
Aha, mit der 8 jeweils die Wurzel aus 64! Und Fernschach?
Fernschach quittierte ich bereits Anfang 2000, als praktisch nur noch „Enginepower“ über die Nullen und Einsen entschied. Vorher heimste ich aber noch einen Sieg in der ICCF-Meisterklasse ein mit Quali für die WM-Vorrunde, die aber ungenutzt blieb. Geblieben ist stattdessen die Faszination für das Schachspiel und der Funfaktor, die Homepage zu „verhunzen“.
Webseiten bleiben bedeutend – und sind verstärkt auf Smartphones ausgelegt
Das machst Du aber perfekt. Spaß beiseite, was meinst Du als Experte: Dachte man zwischenzeitlich, die Webseiten verlieren wegen all der Konkurrenten in den (A)Sozialen Medien an Bedeutung, scheinen sie durch die KI wieder an Bedeutung zu gewinnen. Schließlich saugt die KI von denen viele Informationen runter. Wie siehst Du das?
Einen Bedeutungsverlust sehe ich insgesamt nicht. Zugenommen hat der Anteil von Zugriffen via Tablet oder Smartphone. Beziffern kann ich das mangels Analysetool nicht. Jedenfalls muss das Design mit verschiedenen Endgeräten kompatibel sein.
Automatische Übernahme auf Facebook
Ja, das wird bei meiner Zeitung, den BNN, auch stets betont.
Eine zweite Säule der Präsenz ist die automatische Übernahme der Beiträge auf den Rochade-Facebook-Account. Hier kommen oft in kurzer Zeit mehrere hundert Zugriffe für die Beiträge zusammen. „Rekordhalter“ ist Jean-Luc Roos bei seinem 10. Platz bei der Seniorenweltmeisterschaft. Fast 1000 Zugriffe zählte die Datenkrake aus aller Welt.
Jean-Luc Roos hat über die Jahrzehnte wohl mehr als 30.000 Partien in Straßburg gespielt und nebenbei die Rochade-Facebook-Community begeistert.
Auch das ist einmal mehr erstaunlich. Welche KI benutzt Du selbst und kannst empfehlen? Anfangs hat ja jeder Chat GPT benutzt angesichts des Hypes. Inzwischen gibt es einige Alternativen. Mir gefällt Le Chat aus Frankreich besonders gut, weil es ein europäisches Projekt ist fern der US- bzw. chinesischen Dominanz. Außer, dass Le Chat auch gute Ergebnisse liefert, finde ich das Wortspiel mit Chat und dem französischen Wort für Katze witzig. Hilft Dir KI bei der Webseiten-Arbeit?
„Handgeschabt“ ist besser als KI
Spaßeshalber habe ich Chat-GPT eine Zusammenfassung meiner schachlichen Vita erstellen lassen. Außer Bauchpinseleien auf 2 Seiten kommen Fakten kaum zum Vorschein. In der täglichen Arbeit verzichte ich auf den übersinnlichen Support. Bei Alltagsfragen – was schenke ich meiner Frau zum Geburtstag kommen auch mal – mit Stichworten versehen – ordentliche Vorschläge. Das Interview ist wie die besten Spätzle „handgeschabt“.
Stimmt! Du bist nun seit über zwei Jahrzehnten der umtriebige Macher der Rochade-Webseite. Was gefällt Dir daran besonders?
Nicht gemeckert, ist genug gelobt. Einer meinte vor Jahren: „Eine tolle Homepage habt ihr hier. Wir haben noch nicht mal Email.“
Das hängt eben stark davon ab, ob ein Verein engagierte Mitglieder hat. Hast Du als erfolgreicher Routinier ein paar Tipps für andere Vereins-Webmaster, was wichtig ist für eine gute Visitenkarte eines Klubs?
„Alles gedeckt halten“, meinte einst Wassili Smyslow auf die Frage nach seinem Erfolgsrezept. Recht hat er, der gute Wassili. Die „Basics“ müssen stimmen, also Informationen zum Verein. Soll die Homepage noch Besucher anlocken, hängt alles an der möglichst bebildeten Berichterstattung. Macht nix, wenn’s schnell geht.
Gorges vermisst Chessinternational.de und Schach.com
Welches sind Deine Lieblingsseiten im Web?
Einige Webseiten haben den Betrieb eingestellt, chessinternational.de von Franz Jittenmeier und schach.com von Axel Fritz. Ich kannte beide persönlich. Leider fehlen auch die Hochglanzseiten von Thilo Gubler, dessen Berichte über die Mannschaftskämpfe der „OSG“, unseres damaligen gemeinsamen Vereins „Kultstatus“ erlangten.
Heute geht an Chessbase.de kein Weg vorbei, auch schachbundesliga.de spielt in der Champions League. Vorbildlich sind die „Perlen vom Bodensee“ mit oft schachpolitischem kritischem Ansatz. International setzt seit Jahrzehnten The Week in Chess (TWIC) Maßstäbe mit der Expertise der Superstars. Technisch kann der Rochade-Riemen des Autodidakten nicht ganz mithalten.
Big Greek einer der Topfavoriten
Fast täglich schaue ich bei YouTube vorbei, Gunnys Chessalyze und der Big Greek sind meine Topfavoriten, knapp dahinter Josefine Safarli.
Und fern des Schachs?
Ich habe unlängst mit Linux angefangen. Nach ein paar Problemen am Anfang läuft es aber jetzt. Trotzdem bin ich noch gut ausgelastet mit den Tutorials.
Geburtstag in Marienbad und im Sommer ins Frauenschach-Mekka Georgien
Reisen ist auch ein Hobby von Dir. Geht es nach dem Jubeltag auch bald wieder auf Reisen? Und wohin? Welche Ziele empfiehlst Du besonders?
Am Jubeltag werde ich mit Gattin wieder aushäusig sein. Seele baumeln lassen ist das Motto in Marienbad, der westböhmischen Wellnessoase.
Im Frühjahr ging’s auf die Azoren und demnächst ist Georgien an der Reihe. Ein Toptipp für Schachfans ist Island, das Land der Geysire und des Bobby-Fischer-Centers in Selfoss mit dem Grab des „GOAT“, des wohl besten Schachspielers aller Zeiten. Einen Geheimtipp habe ich noch im eigenen Land. Es handelt sich um das Schachdorf Ströbeck im Harz. Schon optisch steht das ganze Dorf ganz mit Zeichen des königlichen Spiels. Schnell ergibt sich auch eine Partie unter freiem Himmel. Knapp 50 Länder auf vier Kontinenten haben wir schon auf der Streichliste.
Der Wettkampf des Jahrhunderts im Fischer-Museum von Selfoss
Unweit von Selfoss, weit abseits touristischer Pfade, befindet sich das schlichte Grab, das lediglich von einer Handvoll Schachfiguren geschmückt ist, von Robert James Fischer,
Marienbad hat ja auch eine große Schach-Tradition wie viele Kurstädte. Schachlich hat auch Georgien mit seinen starken Spielerinnen um die Legende Nona Gaprindaschwili zu bieten. Vielleicht ergibt sich für Dich als Webseiten-Legende dort ein besonderes Treffen mit der Rekord-Weltmeisterin. Ansonsten wünschen Dir alle Rochade-Freunde aus Eigennutz weiter viel Spaß mit der Homepage und mögen sich zu der beachtlichen Zahl noch viele weitere Reiseziele gesellen!






