15-jähriger Wei Yi beeindruckt selbst Weltmeister Carlsen

Wei – Haast: Feuer frei – Matt in 1

Von Hartmut Metz
Das Chinesische Schach ist im Reich der Mitte noch immer weit populärer als das „Internationale Schach“, wie die Chinesen die weltweit verbreitete Version nennen. Beide Spiele sind eng miteinander verwandt, haben aber auch Unterschiede: So zieht die „Kanone“ zwar wie ein Turm, schlägt indes die gegnerischen Figuren durch Überspringen (ähnlich wie beim Damespiel). Der König ist zwar auf einen Bereich mit neun Feldern limitiert, letztlich geht es aber auch im Chinesischen Schach darum, ihn mattzusetzen. Die Förderung des im Westen verbreiteten Schachsports führte dazu, dass zunächst die Frauen mit Xie Jun als erster Weltmeisterin 1991 auftrumpften. Heute überragt die erst 20-jährige Hou Yifan, die 2010 zum ersten Mal den Titel gewann, alle Konkurrentinnen. Bei den Männern schickt sich China inzwischen ebenso an, an die Spitze vorzustoßen.
Eine lebende Legende betont: „Die sind eine Macht und werden immer stärker“, glaubt der deutsche TV-Kommentator Vlastimil Hort nicht nur wegen des Sieges bei der Schach-Olympiade 2014, quasi der Mannschafts-WM.
Unter den Top 35 stehen inzwischen fünf chinesische Großmeister, wobei Ding Liren auf Position 14 am höchsten notiert ist – noch! Als potenziell größte Herausforderung sieht Weltmeister Magnus Carlsen jedoch ein anderes Talent, auch wenn es in der neuen Weltrangliste mit 2 706 „nur“ auf Platz 43 auftaucht: Wei Yi. Der Junge ist allerdings erst 15 und wurde wie der Norweger bereits mit 13 Jahren Großmeister! Henrik Carlsen, Vater des Weltmeisters, findet: „Mit Wei Yi steht ein großes Talent in den Startlöchern. Deshalb muss man einen chinesischen Topspieler in der nächsten Dekade auf der Rechnung haben.“
Der Junge aus der Provinz Jiangzhou spielte im holländischen Küstenörtchen Wijk aan Zee im Januar noch neben den Topstars. In der B-Gruppe schlug Wei mit Weiß die sechs Gegner durchweg. Platz eins mit 10,5:2,5 Punkten sicherten ihm den Aufstieg in die A-Gruppe 2016. Selbst der ehemalige WM-Anwärter Jan Timman oder Ex-Europameister Wladimir Potkin waren völlig chancenlos gegen den Kombinationswirbelwind. Der kleinen „Kanone“ gelangen zahlreiche schöne Siege – nachstehend der allerschönste gegen die einheimische Anne Haast.

W: Wei S: Haast
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.Sc3 Dc7 6.Le3 a6 7.Df3 Se5 8.Dg3 h5 9.0–0–0 h4 10.Dh3 b5 11.f4 Sc4 12.Lxc4 Dxc4 13.f5 Lb7 14.Thf1 e5 15.Sb3 Dc7 16.Kb1!
Verstärkt das weiße Spiel im Gegensatz zu der Partie in der A-Gruppe von Wijk aan Zee, in der der Weltranglistenfünfte Anish Giri gegen Ivan Saric wenige Tage zuvor 16.Lg5 gespielt hatte. Schwarz kam nach Tc8 17.f6 Sxf6 18.Lxf6 gxf6 19.Txf6 b4 zu Gegenspiel. Die Computer sorgen sich dabei aber nicht um den Springer auf c3 und geben 20.Txf7! als beste Fortsetzung an. bxc3 21.Tfxd7 cxb2+ 22.Kxb2 Dxc2+ 23.Ka1 Th6 24.Df3 Dc3+ 25.Dxc3 Txc3 26.Txb7 ergibt Ausgleich. Tc8? Zu schematisch. Sf6 ist geboten. 17.f6! Sxf6 g6? gestattet 18.Lb6!! Dc6 19.Sa5 De6 20.Sxb7 Dxh3 21.gxh3 Tb8 22.Sd6+ Lxd6 23.Txd6 und eine Figur ist weg. 17…d6 gibt Otto Borik im „Schach-Magazin 64“ noch als beste Fortsetzung an. Allerdings stünde Weiß nach 18.fxg7 Lxg7 19.Dg4 Lf8 20.a3 offensichtlich besser. 18.Txf6!! gxf6 19.Lb6! Nutzt wie in der Untervariante, dass die schwarze Dame den neuralgischen Punkt d7 gedeckt halten muss. Dc6 20.Sa5 De6 21.Sxb7 Tb8 Dxh3 22.gxh3 Tb8 23.Sd6+ Lxd6 24.Txd6 Ke7 25.Lc5 Tbc8 26.b4 und Weiß gewinnt leicht mit zwei Figuren für einen Turm.

22.Sd5!! Txb7 Den Höhepunkt der Kombination hätte die Partie durch die Variante 22…Dxh3 mit einem undeckbaren Matt erreicht: 23.Sc7+ Ke7 24.Lc5+ d6 25.Txd6! Dc3 (f5 26.Sd5+ Ke8 27.Sf6+ Ke7 28.Tc6 matt)

26.Sd5+ Ke8

27.Td8+ Txd8 28.Sxf6 matt.

23.Dc3! Dc6

24.Sxf6+! Ke7 25.Ld8+! Noch stärker als 25.Dxe5+ De6 26.Sd5+ Ke8 27.Dxh8 Txb6 28.Sc7+ Ke7 29.Dxh4+ Df6 30.Sd5+ Ke8 31.Sxf6+. Ke6 Gönnt Wie Yi verdientermaßen das krönende Matt nach glanzvoller Partieanlage! Kxd8 26.Dxc6 Ta7 27.Txd7+ Txd7 28.Dxd7 matt. 26.Dh3 matt.

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