Nicht einmal die Partie von Metz ist positiv

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Die bisherige Slawisch-Orgie bereitet Hartmut Metz bei der Doping-Probe wohl keine Probleme.

Mit einer weiteren Marathon-Begegnung wäre das nicht passiert: Doch nach drei Partien über jeweils um die sechs Stunden war Hartmut Metz in der vierten Runde der 87. Deutschen Meisterschaft in Lübeck bereits nach zwei Stunden fertig. Gegen den Oberhausener Heiko Kummerow fiel Metz wie dem Gegner nichts Besseres als eine dreifache Zugwiederholung zum Remis ein. Vor dem Spielsaal warteten schon die Kontrolleure der Nationalen Dopingagentur (NADA) und baten den Kuppenheimer zur Urinabgabe – obwohl die nur 20-zügige Partie alles andere als positiv ausfiel. Die zwei NADA-Vertreter freuten sich, dass sie nicht – wie von Schiedsrichter Ralph Alt wegen der verbotenen Remis-Offerten „angedroht“ – vier Stunden auf die drei zufällig ausgewählten Spieler warten mussten. Bedurfte es keiner langen Analysen und Aufklärung um die seichte Französisch-Partie, war das Prozedere im separaten NADA-Zimmer doch aufwendig. Während der zahlreichen Datenabfragen und Erläuterungen konnte Metz wenigstens genug trinken, um gewappnet zu sein für die mindestens 90 Milliliter Harn, die die Dopingkontrolleure benötigten. Fast hätte der FIDE-Meister aber doch ein zweites Mal ran müssen: Die Wasserdichte musste den Wert von 1005 erreichen. Reines Wasser hat laut einem der Kontrolleure den Wert 1000. Hauchdünn erreichte der Kuppenheimer die kritische Zahl.
Ganz angenehm ist der zweite Anlauf für feine Pinkel nicht gerade, weil man nicht nur die Arme freimachen, sondern auch die Hosen runterlassen muss. Die Dopingtrickser scheinen früher ein breites Repertoire besessen zu haben, um sauberen Urin in den Behälter fließen zu lassen …
Der Hauptverantwortliche der beiden NADA-Leute durfte zwar keine Namen nennen, berichtete aber von zahlreichen Welt- und Europameistern sowie Weltrekordlern in seiner Test-Sammlung. Über Schach war er insofern gut informiert, als dass er wusste, dass die üblichen Substanzen beim Denksport weniger das Problem sind, sondern das „elektronische Doping“ mit Programmen auf Smartphones. Da sich der Schachverband trotzdem den Regularien des Sportbundes unterwerfen muss, kommt es eben auch bei deutschen Schach-Meisterschaften zu Tests. Der Kontrolleur kommentierte den Fall mit der Registrierungsnummer 6102 in Lübeck trocken und meinte: „Jetzt fehlen mir nur noch die Angler.“
In sieben bis zehn Tagen erfährt der Sportler nun am besten – nichts! „Wenn Sie ein Schreiben bekommen, haben Sie ein Problem“, erläuterte einer der Herren. Ansonsten muss sich der Deutsche Schachbund überlegen, wie er die Ergebnisse des Gedopten bewertet. Den halben Punkt gegen Kummerow könnte man Metz durchaus verdient abziehen …
Nach vier der neun Runden führt Topfavorit Rasmus Svane alleine mit 3,5 Punkten. Der 19-jährige Großmeister aus Lübeck schlug Martin Kololli. Der erst 16-jährige Vertreter des Ausrichters Lübecker SV von 1873 schlug sich erneut wacker, musste sich aber dann doch beugen. Sergej Kalinitschew hätte auch zu Svane aufschließen können. Doch der Schweriner Karsten Schulz verteidigte sich erneut zäh und remisierte sich ebenfalls auf drei Punkte. Metz liegt mit zwei Zählern im Mittelfeld der 26 Teilnehmer.


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Infos und Live-Partie-Übertragungen finden sich auf der Webseite des früheren Bundesliga-Spitzenklubs Lübecker SV von 1873