Der außerordentliche Bundeskongress des Deutschen Schachbundes (DSB) am 16. Mai in Frankfurt wurde von der Schachgemeinschaft mit Spannung erwartet. Mittendrin: Jürgen Gersinska, der vielen noch bestens aus seiner aktiven Zeit bei der Rochade Kuppenheim bekannt ist. Er trug dazu bei, den Weg für eine personelle und strukturelle Neuaufstellung des DSB zu ebnen. Dabei erklomm der Hördener Landesliga-Spieler die bisher höchste Funktionärs-Leiter nach führenden Positionen auf mittelbadischer Bezirks- wie badischer Landesverbandsebene. Beim BSV bleibt Gersinska weiterhin Vizepräsident. In dieser Funktion ehrte er bei der Kuppenheimer Winterfeier auch einige Rochade-Mitglieder für ihre Verdienste.
Jürgen Gersinska (von rechts) ehrt als badischer Vizepräsident bei der Kuppenheimer Winterfeier den omnipräsenten Webmaster Gerhard Gorges. Rochade-Ehrenpräsident Reinhard Kühl gratuliert ebenfalls.
Krise im Präsidium nach unfreiwilligem Abgang von Lauterbach beendet?
Dem Kongress vorausgegangen waren monatelange, öffentlich ausgetragene Konflikte, unter denen das Ansehen des DSB massiv gelitten hatte. Nachdem der Vizepräsident Finanzen aufgrund inhaltlicher Differenzen und mangelnder Zusammenarbeit zurückgetreten war, traten die Probleme im Präsidium um die umstrittene DSB-Chefin Ingrid Lauterbach offen zu Tage. Zum Kongress lag so kein vom Präsidium gebilligter Finanzbericht vor. Die Kassenprüfer hatten zwar gravierende Beanstandungen, die aber ausdrücklich nicht den zurückgetretenen Finanzchef betrafen. Um diesen Stillstand zu beenden, handelten zahlreiche Landesverbände entschlossen und erzwangen über das Schiedsgericht den außerordentlichen Bundeskongress, mit dem ursprünglichen Ziel, das komplette Präsidium neu wählen zu lassen.
Thomas Braun (rechts) erhält für seine Verdienste um die Jugend und die Senioren die Silberne Verbandsehrennadel des BSV von Jürgen Gersinska überreicht.
Der Kongress in Frankfurt: Ein einmaliger Vorgang
In Frankfurt konzentrierte sich der Abwahlantrag schließlich auf die amtierende Präsidentin Ingrid Lauterbach, da diese nicht bereit war, den Weg freiwillig für Neuwahlen freizumachen. Die pikanten Details hierzu wurden verständlicherweise in einer nichtöffentlichen Sitzung erörtert.
Das Ergebnis schrieb Schachgeschichte: Der Abwahlantrag fand eine klare Mehrheit. „Das ist beim DSB ein absolut einmaliger Vorgang – und das soll er auch bleiben“, hieß es. Dass sich Lauterbach einen ehrenvollen Abschied als Präsidentin letztlich selbst verbaut hat, hinterlässt einen bittersüßen Nachgeschmack. Ehrenpräsident Herbert Bastian fand dennoch versöhnliche Worte für ihre langjährigen Leistungen um das deutsche Schach. Bedauerlich bleibt zudem in Erinnerung, dass sich der bundesweit bekannte Richard Lutz, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, aufgrund der monatelangen Querelen kurz vor der Wahl Abstand von seiner Kandidatur als Präsident nahm.
Sachliche Debatten statt Schlammschlacht
Trotz der knappen Wahlergebnisse und der enormen Brisanz verlief der Kongress erfreulicherweise weniger konfrontativ als befürchtet. Viele Streitfragen konnten bereits im Vorfeld ausgeräumt werden. Wo keine Einigung möglich war, wurden die Differenzen sachlich und ohne persönliche Schärfe zur Entscheidung gebracht.
Hauchdünne Entscheidung mit 116:114 Stimmen
Mit 116:114 Stimmen setzte sich das Team um Meyer-Dunker und Gersinska denkbar knapp gegen Niklas Rickmann durch. Der Funktionär aus Mecklenburg-Vorpommern galt als Kompromisskandidat des Lauterbach-Lagers, wie es auf den „Perlen vom Bodensee“ hieß. Angesichts der komplizierten Zusammensetzung des DSB-Gremiums war diese neu gefundene Diskussionskultur ein echtes und ermutigendes Zeichen der Hoffnung.
Für die Rochade Kuppenheim ist es schön zu sehen, dass ein ehemaliger Spieler des Vereins bundesweit Verantwortung übernimmt, wenn es brenzlig wird. Der Ehemann von Großmeisterin Ketino Kachiani-Gersinska, die ebenfalls einst ans Oberliga-Brett für die Schachgemeinschaft ging, hat bewiesen, dass er nicht nur auf den 64 Feldern strategisch denken kann, sondern auch die schachpolitische Arena beherrscht, um den deutschen Schachsport wieder in ruhigere und transparentere Fahrwasser zu führen. Die Rochade wünscht ihm und dem neuen DSB-Team viel Erfolg für die anstehenden Aufgaben!

