Eloquenter Mathematiker

Reefi gegen den Rest der Welt (Das Foto zeigt den Meister mit der Kuppenheimer Delegation beim OSG-Mannschaftssimultan 2009, v.l.: Ralf Gantner, Hussain Chaltschi, Fritz Kolb sowie stehend (2.v.l.) Velimir Kresovic)

Ex-Nationalspieler Helmut Reefschläger feiert 70. Geburtstag
Von Hartmut Metz

Dr. Helmut Reefschläger ist sicher einer der unterhaltsamsten Schachspieler. Davon wissen die Mitglieder der Rochade Kuppenheim ein Lied zu singen. Schließlich spielte der 25-fache Nationalspieler einige Jahre für den Oberligisten, war Jugendtrainer und besucht heute noch gelegentlich den Spielabend am Donnerstag. Am Dienstag wird der IM 70 Jahre alt. Hartmut Metz würdigt das Rochade-Mitglied in der aktuellen Meko.

Ein kleines Geschenk hat sich Helmut Reefschläger schon vorab selbst gemacht. Mit seinem alten Weg- gefährten Michael Dombrowsky veröffentlichte der Baden-Badener Ende 2013 das Buch „Berliner Schachlegenden“ (Edition Marco, 240 Seiten, 29,80 Euro). Reefschläger trug zu dem Werk die Partie- analysen bei. Am Dienstag feiert der 25-fache Nationalspieler nun seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar im Range eines Internationalen Meisters ist immer noch Zweitligaspieler und in Personalunion Kapitän der OSG Baden-Baden II. Mit 6:2 Punkten zählt der unterhaltsame Doktor der Mathematik zu den Stützen des Tabellendritten. Nach Mittelbaden verschlug es den früheren Hamburger durch Dombrowsky, der ihn für die SF Lichtental an Land zog. Später spielte Reefschläger für Oberligist Rochade Kuppenheim, ehe er bei der OSG als Trainer anheuerte. Der Wahl-Kurstädter sieht sich als „Spätstarter. Ich spielte erst mit 16 mein erstes Turnier“. Die Karriere verlief sofort steil: Bereits zwei Jahre danach belegte „Reefi“ Rang vier bei den deutschen Jugend-Meisterschaften. 1964 und 1965 gewann er das Open von Eastbourne vor „vielen, damals allerdings eher drittklassigen englischen Nationalspielern“, wie der ehemalige Trainer der Bundeswehr-Sportförderkompanie und der Blinden-Nationalmannschaft bescheiden anmerkt. In den 70er und 80er Jahren gehörte der mehrfache Niedersachsen-Meister und Hamburger Champion bei den Aktiven zu den besten deutschen Spielern und gehrte zum Stamm der Nationalmannschaft. Zu seinen größten Erfolgen zählt das Ehrenmitglied des Hamburger SV die deutschen Meisterschaften mit der SG Porz 1979 und 1981. Mit dem Hamburger SK im HSV wurde der A-Lizenz-Trainer 1987 deutscher Pokalsieger. Höher als seine Turniersiege „in kleineren Open wie Bad Pyrmont 1973, Bad Waldliesborn 1977, Großhansdorf 1985 und Sulzfeld 2000“ bewertet Reefschläger einen Erfolg im Europapokal: „Das 1,5:0,5 über Wladimir Sawon im Europapokal mit Porz gegen Dynamo Kiew war etwas ganz Besonderes.“ Der Großmeister hatte schließlich 1971 die UdSSR-Meisterschaft ungeschlagen mit 1,5 Punkten Vorsprung auf die versammelte Elite beendet.
In der ersten Liga bekam auch mancher die scharfe Klinge des originellen Spielers zu spüren. 1991 schlug der damalige Porzer im Duell mit Bayern München den ostdeutschen Großmeister Uwe Bönsch, der später Nationaltrainer wurde und heute Sportdirektor des Deutschen Schachbundes ist. Die kurze Partie kommentierte Reefschläger für die Schachspalte.

W: Reefschläger S: Bönsch
Bei meiner Bundesliga-Partie gegen den Schweden Ferdinand Hellers saß Uwe Bönsch neben mir. Wenige Wochen später saß er mir gegenüber. Ich war deshalb gespannt, welche Idee er sich gegen meine Variante zurechtgelegt hatte. 1.e4 c5 2.f4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 e6 5.Sf3 Le7 Will gegen das frühe b3 vorgehen. 6.b3 ist aber lebensnotwendig in diesem System. Sf6 Auf Lf6 plante Reefschläger 7.Sxf6+ Dxf6 8.La3. 7.Sf2 Sd5 8.g3 Sc6 Jetzt wäre nach Lf6 gerade noch 9.Se5 spielbar. 9.Lb2 f6?! Eine überflüssige Lockerungsübung. 0–0 geht auch sofort. 10.Lg2 0–0 11.0–0 Ld7 12.De2 Db6 13.f5

Hier versank Uwe Bönsch in längeres Grübeln. Sc7 Bönschs Mannschaftskamerad Klaus Bischoff schlug exf5 vor und zeigte mit schneller Hand: 14.Sh4 (Bönsch fand am Brett keine Abwehr gegen 14.Sd4?! und verzichtete deshalb auf diese Variante. cxd4 15.Lxd5+ Kh8 16.Sd3 Da5 17.Sf4 Ld6 18.Dg2 ist aber völlig in Ordnung für Schwarz) Sc7 15.Lxc6? Dxc6 16.Dxe7?? Tae8 mit Damenverlust. Da Reefschläger dieses Motiv bereits kannte, beabsichtigte er, sofort 15.Dh5 zu ziehen. 14.Sh4 Tf7 Vorauseilender Gehorsam. Schwarz fürchtete Sg6. 14…exf5 15.Dh5 g6? wäre verfehlt: 16.Sxg6 hxg6 17.Dxg6+ Kh8 18.Lxc6 Dxc6 19.Sh3 Le8 20.Dh6+ Kg8 21.Txf5 Se6 22.Sg5 Sxg5 23.Txg5+ Kf7 24.Te1 und das Matt ist nicht mehr fern. 15.Le4 Nicht nur ein harmloser Deckungszug. Sd4? Erkennt nicht die versteckte Drohung. 16.Lxd4 cxd4 17.fxe6 Dxe6 Lxe6 rettet Schwarz auch nicht.

18.Lxh7+! Kxh7 19.Dh5+ Kg8 20.Sg6 Ein Lob an den Springer f2. Ohne ihn hätte Schwarz die Verteidigung Dd7–h3. Tff8 21.Tae1 Tfe8 Db6 22.Sxe7 matt. 22.Txe6 Lxe6 23.Sd3 23.Se4! führt in spätestens vier Zügen zum Matt: Lg4 (Sd5 24.Dh8+ Kf7 25.Se5 matt) 24.Dh8+ Kf7 25.Sg5+ Kxg6 26.Dh7+ Kxg5 27.h4 matt. Aber auch so hatte Bönsch genug gesehen und gab auf. 1:0.


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gepostet unter: Kolumne von Gerhard Gorges | 0 Kommentare | nach oben
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